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"Smart Pills" & "Happy Pills" - Funktioniert das mit dem Neuro-Enhancement?

"Smart Pills und Happy Pills" - Funktioniert das mit dem Neuro-Enhancement?

Vorbemerkungen

Die Versuchung sich selbst zu dopen ist groß. Zur Zeit der Entstehung dieses Artikels wurde in den Medien über systematisches und durch die Politik gefördertes Doping im Sport in Deutschland spekuliert. Vorher machte nicht nur Lance Armstrong Schlagzeilen, als er seine Doping-Beichte über längst bekannte Tatsachen ablieferte. Gerade, wenn vermeintlich viel auf dem Spiel steht, ist man möglicherweise bereit, seine Chancen durch die Einnahme chemischer Hilfsmittel zu vergrößern – egal ob im Sport, im Studium oder im Beruf.

Das Neuro-Enhancement hat dabei eine lange Tradition: Schon vor 5000 Jahren wurde in China ein ephedrinhaltiger Tee verwendet, in der Antike und auch später wurde die Laune und die Risikobereitschaft von Soldaten vor dem Kampf durch die Gabe von Alkohol gesteigert, in Südamerika wird traditionell Koka gekaut, die US-Armee setzte im 2. Weltkrieg auf Amphetamine, um z.B. Piloten länger wach zu halten, die Wehrmacht verteilte zusätzlich Methamphetamin (beide Substanzen erhöhen auch die Aggression, was in kriegerischen Auseinandersetzungen von Seiten der Befehlshaber sicher gewünscht ist). Koffein wird seit Jahrhunderten in Kaffee oder mittlerweile auch Energy-Drinks ebenfalls teilweise exzessiv genutzt, um sich wach zu halten. Kokain wurde von Sigmund Freud als vielversprechendes Mittel gegen Depression angesehen und wurde möglicherweise anfänglich Coca-Cola in geringen Dosen beigefügt (was der Hersteller allerdings bestreitet).

Heute fallen die hohen Produktionszahlen von z.B. Ritalin (40x so viel wie vor 20 Jahren) oder Modafinil auf, die unmöglich auf einen sachgerechten Gebrauch zurückzuführen sein können. Klientinnen und Klienten in der ptb berichten hin und wieder davon, dass sie andere Studierende kennen, die mit allen möglichen Substanzen versuchen, ihre Leistungsfähigkeit zu verbessern. Nur selten stellen Klienten die Frage, welche Substanzen sie selbst nutzen könnten, vermutlich auch, weil sie sich nicht trauen.

Eine Online-Befragung des Hochschul-Informations-System HIS aus den Jahren 2010 und 2011 ergab, dass 88% aller Studierenden, die antworteten, kein(!) Neuro-Enhancement betreiben und 70% auch niemanden kennen, der Neuro-Enhancement einsetzt. Für 71% kommt Neuro-Enhancement nicht infrage, 12% haben allerdings mindestens 1x chemische Substanzen eingenommen, um Studienanforderungen besser bewältigen zu können. Diese Gruppe hatte ein generell stärker risikobehaftetes Gesundheitsverhalten. Von denjenigen, die Neuro-Enhancement angewandt hatten, gaben 58% an, dass sie auch die beabsichtigte Wirkung erzielt hatten. Dabei war es ziemlich egal, welche Substanz sie genutzt hatten (was stutzig macht, da die verschiedenen Substanzen ja verschieden wirksam sind! Placebo Effekte und eine veränderte Selbstwahrnehmung sind dabei also wahrscheinlich).

Deshalb entstand die Idee, hier einen Artikel einzustellen, der die verschiedenen möglicherweise in Frage kommenden Substanzen und deren Wirkungen und Nebenwirkungen auf Gesunde und Kranke beschreibt.

Begriffsklärungen

Neuro-Enhancement soll sich hier auf den Versuch (ob erfolgreich oder nicht) beziehen, die Leistungsfähigkeit einer gesunden Person zu steigern. Es schließt eine therapeutische oder präventive Absicht aus. Dieser Artikel bezieht sich dabei lediglich auf die pharmakologischen (nicht die neurotechnischen) Möglichkeiten des Neuro-Enhancements.

Neuro-Enhancement kann dabei die Absicht haben, die Stimmung zu verbessern (durch sog. „happy pills“), um z.B. motivierter zu sein oder die Absicht verfolgen, die kognitive Leistungsfähigkeit wie z.B. Wachheit, Konzentrationsfähigkeit oder Merkfähigkeit direkt zu verbessern (durch sog. „smart pills“).

Der Begriff „Neuro-Enhancement“ lässt offen, ob es sich um eine legale oder eine illegale Maßnahme handelt. Der oft synonym verwendete Begriff „Gehirn-Doping“ legt eher nahe, dass die verwendete Maßnahme illegal ist.

Probleme des Neuro-Enhancements

Zu diskutieren sind im Zusammenhang mit dem Neuro-Enhancement:

  • Ethische Probleme (ist es moralisch gut oder schlecht, Neuro-Enhancement anzuwenden)
  • Rechtliche Probleme (ist es legal oder steht es unter Strafe, Neuro-Enhancement anzuwenden)
  • Medizinisch-pharmakologisch-psychologische Probleme (welche Wirkungen und Nebenwirkungen hat Neuro-Enhancement? Funktioniert es?)

In dem vorliegenden Artikel sollen vor allem die medizinisch-pharmakologisch-psychologischen Probleme besprochen und nur kurz auf die ethischen und rechtlichen Probleme eingegangen werden. Dabei muss allerdings klar sein, dass der Verfasser weder Mediziner noch Pharmakologe sondern Psychologe ist, der sich dementsprechend vor allem auf die psychologischen Wirkungen konzentriert und z.B. Probleme der Pharmakokinetik und Pharmakodynamik, wenn überhaupt, nur anreißen kann. Auch die Aussagen über mögliche Kontraindikationen, Wechsel- und Nebenwirkungen mit anderen Substanzen sind nicht notwendigerweise vollständig! Bei der Einnahme von Medikamenten bitte stets die Patienteninformationen aufmerksam lesen!

Substanzen und deren Wirkungen und Nebenwirkungen (Übersicht)

Substanzen, durch die eine Verbesserung der Stimmung erreicht werden soll:

Substanzen, durch die eine Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit erreicht werden soll:

Substanzen, die zur Verbesserung der Stimmung eingesetzt werden

Antidepressiva

Antidepressiva sind Substanzen, die dazu dienen, die Stimmung bei Menschen mit einer Depression zu verbessern. Diese Substanzen wirken nicht euphorisierend sondern sorgen eher dafür, dass deutliche Stimmungstiefs nicht auftreten. Ein Suchtpotential ist deshalb in aller Regel nicht vorhanden. Neben den hier beschriebenen Selektiven Serotonin Reuptake-Inhibitoren existieren vor allem noch sogenannte Trizyklische Antidepressiva, die aber wegen ihrer sogenannten anticholinergen Nebenwirkungen und der oft durch sie ausgelösten Müdigkeit wohl kaum im Rahmen von Neuro-Enhancement überhaupt diskutiert werden müssen. Johanniskrautpräparate werden ebenfalls als Antidepressiva eingesetzt.

Selektive Serotonin Reuptake-Inhibitoren (SSRIs)

Selektive Serotonin Reuptake-Inhibitoren (SSRIs, Selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer) sind neuere Medikamente, die (u.a.) in der Behandlung von Depressionen zum Einsatz kommen. Dabei sollen sie im Gehirn verhindern, dass Serotonin aus dem synaptischen Spalt wieder in das präsynaptische Neuron aufgenommen wird. Serotoninmangel scheint nämlich eine Begleiterscheinung, vielleicht sogar eine Ursache von Depressionen zu sein.

SubstanzHandelsnamen (Beispiele) Erstzulassung in DeutschlandIndikationen (u.a.)
Fluvoxamin Fevarin®, Fluvohexal®, Fluvoxamin 1984 Depressionen, Panikstörung, Generalisierte Angststörung, Soziale Phobie
Fluoxetin Fluctin®, Fluneurin®, Fluoxetin, Fluox®, Fluxet®, in den USA: Prozac® 1990 Depressionen, Zwangsstörungen, Bulimie, Panikstörung
Paroxetin Paroxat®, Paroxetin, Seroxat®, Tagonis® 1992 Depressive Erkrankungen, Panikstörung, Soziale Phobie, Generalisierte Angststörung, Zwangsstörungen,
Citalopram Cipramil®,Citadura®, Citalopram, Serital® 1996 (in Deutschland am häufigsten verordneter SSRI) Depressive Erkrankungen, Panikstörung, Zwangsstörungen, Soziale Phobie, chronisches Schmerzsyndrom
Sertralin Gladem®, Zoloft®, Sertralin 1997 Depressive Erkrankungen, Panikstörung, Zwangsstörungen, Soziale Phobie, Generalisierte Angststörung
Escitalopram Cipralex® 2003 Depressionen, Panikstörung, Generalisierte Angststörung, Soziale Phobie

Natürlich wirkt jede dieser Substanzen etwas anders als die anderen, jedoch sind sie durchaus vergleichbar, insbesondere was ihre begrenzte Brauchbarkeit als Neuroenhancer angeht. Zunächst einmal kann aber gesagt werden, dass SSRIs in der Behandlung von Depressionen bzw. deren Symptomen erfolgreich eingesetzt werden und gegenüber anderen Antidepressiva bezüglich der Nebenwirkungen oft im Vorteil sind.

Allerdings sorgen die SSRIs anfänglich für eine weitere Veränderung im Gehirn, die die Menge an Serotonin im synaptischen Spalt zunächst sogar verringert. Deshalb tritt die antidepressive Wirkung erst zeitverzögert auf. Problematisch in der Behandlung von Depressionen sind SSRIs, weil sie bereits vorhandene Suizidgedanken insbesondere zu Beginn der Behandlung verstärken können!

Bei SSRIs können bei plötzlichem Absetzen eventuell Absetzsymptome auftreten (z.B. Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Kribbeln, Tinnitus, Motorische Störungen (Tics), Schlafstörungen, Müdigkeit, Abgeschlagenheit, Verdauungsstörungen, Kopfweh, verstopfte Nase, Knochen- und Gelenksschmerzen, Stimmungsschwankungen, schwere Depressionen, Manie, Aggressivität, sexuelle Dysfunktionen)!

Ein Suchtpotential von SSRIs ist nicht bekannt.

Fluoxetin galt nach seiner Einführung in Großbritannien als antriebssteigernde „Yuppie-Droge“. Eine positive Wirkung auf Gesunde scheinen SSRIs allerdings nicht zu haben!

Z.T. Gefährliche Wechselwirkungen u.a. mit:

Substanz

Substanzen, mit denen Wechselwirkungen bestehen

Fluvoxamin

MAO-Hemmer (können tödlich sein, bis zu 14 Tagen Abstand einhalten!), Trizyklische Antidepressiva, Tizanidin (Handelsname: Sirdalud®), Tryptophan, Alkohol, Koffein, Ecstasy

Fluoxetin

MAO-Hemmer (können tödlich sein, bis zu 14 Tagen Abstand einhalten!), Benzodiazepine, Trizyklische Antidepressiva, Lithium, Johanniskrautpräparate, Tramadol, Tryptophan, manche Antibiotika, Blutgerinnungshemmer (z.B.: Acetylsalicylsäure), Alkohol, Cannabis, Ecstasy

Paroxetin

MAO-Hemmer (können tödlich sein, bis zu 14 Tagen Abstand einhalten!), Benzodiazepine, Trizyklische Antidepressiva, Lithium, Johanniskrautpräparate, Tramadol, einige Antipsychotika, Metoprolol, manche Antibiotika, Blutgerinnungshemmer (z.B.: Acetylsalicylsäure), Ecstasy

Citalopram

MAO-Hemmer (können tödlich sein, bis zu 14 Tagen Abstand einhalten!), Lithium, Johanniskrautpräparate, Tramadol, Tryptophan, Alkohol, Ecstasy

Sertralin

MAO-Hemmer (können tödlich sein, bis zu 14 Tagen Abstand einhalten!), Lithium, Tryptophan, einige Antipsychotika, Sumatriptan (Handelsname: Imigran®), Ecstasy

Escitalopram

MAO-Hemmer (können tödlich sein, bis zu 14 Tagen Abstand einhalten!), Trizyklische Antidepressiva, Lithium, Johanniskrautpräparate, Tramadol, Metoprolol, Tryptophan, Blutgerinnungshemmer (z.B.: Acetylsalicylsäure), Sumatriptan (Handelsname: Imigran®), H1-Antihistaminika, Cimitidin, Ecstasy

Kontraindikationen:

Substanz

Handelsnamen (Beispiele)

Kontraindikationen

Fluvoxamin

Fevarin®, Fluvohexal®, Fluvoxamin

Keine bei Erwachsenen

Fluoxetin

Fluctin®, Fluneurin®, Fluoxetin, Fluox®, Fluxet®,

in den USA: Prozac®

Manische Stimmungslage, schwere Nierenerkrankungen

Paroxetin

Paroxat®, Paroxetin, Seroxat®, Tagonis®

Keine bei Erwachsenen

Citalopram

Cipramil®,Citadura®, Citalopram, Serital®

Epilepsie

Sertralin

Gladem®, Zoloft®, Sertralin

Schwere Leberfunktionsstörungen, Epilepsie

Escitalopram

Cipralex®

schwere Nierenerkrankungen, schwere Leberfunktionsstörungen

Nebenwirkungen:

Substanz

Nebenwirkungen
(aufgeführt sind sehr häufige = mehr als 1 von 10, und häufige = zwischen 1 und 10 von 100 Behandelten)

Fluvoxamin

Schwäche, Kopfschmerz, Unwohlsein, Herzklopfen, Herzrasen, Bauchschmerz, Essenverweigerung, Verstopfung, Durchfall, Mundtrockenheit, Verdauungsstörungen, Aufregung, Ängstlichkeit, Schwindel, Schlafstörungen, Nervosität, Schläfrigkeit, Zittern, Schwitzen, Blutdruckabfall bei Körperlageveränderung, Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen, Gangstörungen, Verwirrtheitszustände, unwillkürliche Bewegungen (extrapyramidale Symptome), Wahnvorstellungen, verzögerte Ejakulation, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut

Fluoxetin

Übelkeit, Verdauungsstörungen, Durchfall, Verstopfung, Gewichtszunahme, Bauchschmerzen, Herzklopfen, Kraftlosigkeit, Schläfrigkeit, Bewegungsarmut, Angstgefühle, Nervosität, Zittern, Kopfschmerz, Mundtrockenheit, Schlaflosigkeit, Benommenheit, Erbrechen, Magersucht, Schwindel, Schwitzen, Erregungszustände, Denkstörungen, Unwohlsein

Paroxetin

Übelkeit, Sexualfunktionsstörungen, Appetitverminderung, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Erregung, Schwindelgefühl, Zittern, Gähnen, Verstopfung, Durchfall, Mundtrockenheit, Schwitzen, Schwächezustände, Gewichtszunahme

Citalopram

Benommenheit, Schlaflosigkeit, Kraftlosigkeit, Kopfschmerzen, Zittern, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, vermehrtes Schwitzen, Schlafstörungen, allgemeines Erschöpftsein, Konzentrationsstörungen, Gedächtnisstörungen, Angststörungen, Aufgeregtheit, Nervosität, Müdigkeit, vermehrtes Gähnen, verändertes Traumerleben, Verwirrtheit, Appetitveränderung, Gewichtsveränderung, Teilnahmslosigkeit, Selbstmordneigung, Empfindungsstörungen, Luststörungen (Libido-Abnahme), Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Erbrechen, Blähungen, erhöhter Speichelfluss, Schwierigkeiten beim Wasserlassen, Samenergussstörungen, Impotenz, schmerzhafte Monatsblutungen, Überempfindlichkeitsreaktionen der Haut wie Hautausschlag und Juckreiz, Sehstörungen, Geschmacksstörungen, Muskelschmerzen, Herzklopfen, Herzrasen, Blutdruckabfall

Sertralin

Übelkeit, Durchfall, Mundtrockenheit, Zittern, Schwindel, Schlaflosigkeit, Schläfrigkeit, Sexualstörungen (bei Männern hauptsächlich Samenergussverzögerung), Magendrücken, vermehrtes Schwitzen, Schwäche, Müdigkeit, Hitzewallungen, Appetitlosigkeit, Hautausschlag, Brustschmerz, spürbares Herzklopfen, Verstopfung, Bauchschmerzen, Erbrechen, Ohrensausen, Kopfschmerzen, Bewegungsstörungen (einschließlich Zappeligkeit, erhöhter Muskelspannung, Zähneknirschen oder Gangstörungen), nervliche Missempfindungen, Berührungsunempfindlichkeit, Gähnen, Aufregung, Angst, Menstruationsstörungen, Sehstörungen

Escitalopram

s. Citalopram

Bezüglich der Nebenwirkungen muss allerdings gesagt werden, dass diese hauptsächlich in den ersten zwei Wochen der Einnahme auftreten und sich dann oft stark abschwächen.

Bewertung:
Wirkungsvolle Antidepressiva, wobei allerdings unklar ist, inwieweit eine objektive Verbesserung der Stimmung und der Leistungsfähigkeit bei der Anwendung als Neuroenhancer bei Gesunden überhaupt auftritt. In der Regel ist eine längere Einnahme nötig, damit überhaupt Wirkungen auftreten. Nebenwirkungen (z.B. Müdigkeit, Denkstörungen, Aufregung) können sich sogar kontraproduktiv auf das Lernen auswirken. Absetzsymptome können bei plötzlichem Absetzen auftreten. Insgesamt erscheint das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer ungünstig!

Johanniskrautpräparate

Johanniskrautpräparate werden aus dem „Echten Johanniskraut“ (Hypericum perforatum, Herrgottsblut) gewonnen. Das Echte Johanniskraut wurde bereits in der Antike als Heilpflanze genutzt und wird auch heute noch zur Behandlung leichter bis mittelschwerer Depressionen und Unruhezuständen eingesetzt. Der Wirkmechanismus ist unklar, da das Johanniskraut verschiedene pharmakologisch aktive Substanzen enthält. Johanniskrautpräparate sind in verschiedenen Darreichungsformen (z.B. Tee, Tabletten) erhältlich. Es existieren so zahlreiche Produkte, dass hier keine Produktnamen aufgeführt werden sollen. Teilweise sind sie frei verkäuflich (und meist billiger als apothekenpflichtige Präparate), enthalten dann die Wirkstoffe in geringerer Konzentration, manche dafür aber auch zusätzliche Inhaltsstoffe (Vorsicht!).

Die Wirksamkeit von Johanniskrautpräparaten wird unterschiedlich beurteilt. Insgesamt scheinen sie einer Placebogabe aber überlegen zu sein. Die optimale Dosierung ist unklar, im Gespräch sind 300 – 900mg/Tag. Ob es genau so wirkungsvoll ist wie andere Antidepressiva ist unklar. Allerdings scheint es bei schweren Depressionen zu versagen. Wie andere Antidepressiva auch, tritt die Wirkung eines Johanniskrautpräparates oft nicht sofort, sondern nach einigen Wochen der Anwendung ein.

Kontraindikationen:

S. „Gefährliche Wechselwirkungen“

Gefährliche Wechselwirkungen u.a. mit:

Johanniskraut aktiviert Enzyme, die andere Medikamente verstärkt abbauen können, und so ihre Wirkung reduzieren;  z.B.: Anti-Baby-Pille (reduziert deren Zuverlässigkeit!), HIV-Proteaseinhibitoren, einige Antibiotika, Immunsuppressiva, Antiepileptika, Benzodiazepine, Blutgerinnungshemmer, Trizyklische Antidepressiva, Buprenorphin (Schmerzmittel), Herzglykoside (Digitalis) und andere.

Die Wirkungen der Kombination mit SSRIs ist unklar: zum einen verstärkt Johanniskraut ihren Abbau, zum anderen kann es zu einem lebensgefährlichen Serotonin-Syndrom kommen.

Nebenwirkungen:

  • Erhöhung der Lichtempfindlichkeit der Haut (Sonnenbrand!)
  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Erregung
  • Müdigkeit

Insgesamt aber sehr geringe Wahrscheinlichkeit von Nebenwirkungen.

Bewertung:
Als Antidepressivum durchaus wirkungsvoll und nebenwirkungsarm, vor allem, wenn die Dosierung ausreichend ist (auf apothekenpflichtige Medikamente zurückgreifen). Wirkung als Neuroenhancer (also bei Gesunden) unklar, verzögerter Wirkungseintritt. Deshalb erscheint das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer als sehr fraglich.

Hypnotika

Hypnotika sind Substanzen die eine schlaffördernde Wirkung haben. Dabei gibt es Übergänge zu Sedativa (Beruhigungsmitteln) und Narkotika (Betäubungsmitteln).

Benzodiazepine

Benzodiazepine gibt es als Pharmaka seit 1960. Damals wurde das Librium® auf den Markt gebracht, im Jahre 1963 folgte das bekannte Valium®. Oft werden Benzodiazepine auch als Tranquilizer bezeichnet. Benzodiazepine zählen zu den am häufigsten verordneten Medikamenten. Man rechnet damit, dass innerhalb eines Jahres 10 – 17% der Bevölkerung mindestens einmal ein Benzodiazepinpräparat einnimmt. In der Natur kommen Benzodiazepine ebenfalls vor. So enthalten z.B. Kartoffeln oder Weizen Spuren dieser Substanzen. Beispiele für Benzodiazepine sind:

  • Alprazolam (Handelsnamen z.B.: Tafil®, Xanax®)
  • Diazepam (Handelsnamen z.B.: Faustan®, Valium®)
  • Lorazepam (Handelsnamen z.B.: Laubeel®, Tavor®)
  • Oxazepam (Handelsnamen z.B.: Adumbran®, Durazepam®)
  • Tetrazepam (hauptsächlich muskelentspannende Wirkung, Handelsnamen z.B.: Musaril®, Rilex®)
  • Triazolam (Halcion®), offenbar besonders häufige Nebenwirkungen
  • Midazolam (Dormicum®)

Benzodiazepine wirken angstlösend, beruhigend, muskelentspannend und schlafanstoßend, eventuell auch stimmungsaufhellend. Entsprechend werden sie unter anderem zur Behandlung von Angst- und Erregungszuständen, Schlafstörungen, Muskelverspannungen und Phobien eingesetzt. Sie sind aber auch bei psychiatrischen und internistischen Notfallsymptomen indiziert. Als Medikament werden sie meist in Tablettenform verabreicht. Werden sie missbräuchlich verwendet, werden sie von Konsumenten auch injiziert. Die meisten Benzodiazepine unterliegen dem Betäubungsmittelgesetz. Damit ist der Besitz strafbar, wenn dieser nicht z.B. durch eine ärztliche Verordnung legitimiert ist. Ausgenommen sind dabei Darreichungen, die eine bestimmte Menge an Wirkstoffen nicht überschreiten, worunter die handelsüblichen Tabletten fallen.

Das größte Problem dieser hochwirksamen Substanzen ist das mit ihrer Einnahme verbundene beträchtliche psychische und physische Abhängigkeitsrisiko. Dieses steigt mit einer höheren Dosis und einer längeren Einnahme deutlich an. Auch Absetz- oder Reboundphänomene sind bekannt. Bei der Absetzproblematik können Entzugssymptome wie innere Unruhe, Angst, Schlaflosigkeit, erhöhte Irritabilität, Schwitzen, Übelkeit und Erbrechen, Zittern, Kopfschmerzen und Muskelverspannungen auftreten. Nach ca. viermonatiger Einnahme ist bei plötzlichem Absetzen mit Absetzphänomenen zu rechnen, die dann 5 – 15 Tage andauern. Schwere Entzugssymptome können unter anderem Verwirrtheitszustände, psychoseähnliche Zustände oder Krampfanfälle sein. Reboundphänomene treten eventuell schon nach kurzer Einnahme von Benzodiazepinen auf. Dabei handelt es sich um eine Verstärkung der Symptome, gegen die die Benzodiazepine eingesetzt wurden. Rebound-Symptome halten allerdings nur wenige Tage an. Die Fahrtüchtigkeit ist bei der Einnahme von Benzodiazepinen eingeschränkt. Bei der Injektion von Benzodiazepinen kann es zu Atemdepression, starkem Blutdruckabfall und zum Herzstillstand kommen.

Kontraindikationen:

  • Abhängigkeitserkrankungen
  • Akute Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- oder Psychopharmakaintoxikation
  • Schwere Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Chronische Ateminsuffizienz oder Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Myasthenia gravis (Muskelschwäche)
  • Engwinkelglaukom

Gefährliche Wechselwirkungen u.a. mit:

  • Alkohol
  • Antidepressiva
  • Lithium
  • Schlaf- und Beruhigungsmittel
  • Antiepileptika
  • Opioide Schmerzmittel
  • Magenmittel Cimetidin und Omeprazol
  • β-Blockern

Nebenwirkungen:

  • Erhebliches Risiko einer schweren Abhängigkeit, auch bei längerer Einnahme nur geringer Dosen
  • Verminderte Wahrnehmungs- und Reaktionsfähigkeit (Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit!)
  • Gedächtnisstörungen
  • Durch die muskelentspannende Wirkung hervorgerufene Stürze
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerzen
  • Niedergeschlagenheit
  • Muskelschwäche
  • Benommenheit
  • Schwindelgefühl
  • Paradoxe Wirkungen bei höherer Dosierung: Agitiertheit, Erregungszustände, Aggressivität, Schlaflosigkeit, Euphorisierung
  • Bei chronischer Einnahme: Verstimmungszustände, Vergesslichkeit, Leistungsminderung, eingeschränkte Kritikfähigkeit, Gleichgültigkeit, extreme muskuläre Schwäche, Appetitstörungen, Libidoverlust, Menstruationsstörungen

Bewertung:

Hochwirksame Medikamente, deren kurzfristige, niedrigdosierte Einnahme nach Verschreibung durch einen Arzt vermutlich keine Probleme bereitet. Allerdings haben Benzodiazepine ein erhebliches Abhängigkeitspotential. Auch besteht die Gefahr von Absetz- und Reboundphänomenen. Da die Stärke der Wirkung individuell sehr unterschiedlich sein kann, kann bei einmaliger Einnahme die genaue Art der Wirkung nicht vorhergesagt werden. Deshalb und wegen des hohen Abhängigkeitsrisikos erscheint das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer als äußerst ungünstig!

Zopiclon

Zopiclon ist eine Substanz, die als Schlafmittel bei schweren Schlafstörungen eingesetzt wird. Neben der schlafanstoßenden Wirkung wirkt es auch angstlösend, muskelentspannend und krampflösend.

In seiner Wirkung, seinen Nebenwirkungen, Wechselwirkungen und Kontraindikationen ähnelt es den Benzodiazepinen. Genau wie die Benzodiazepine besitzt es ein erhebliches physisches und psychisches Abhängigkeitsrisiko. Das Risiko steigt mit zunehmender Dosis und Behandlungsdauer. Deshalb sollte es keinesfalls länger als einige Tage eingenommen werden. Eine frühere Alkohol- Arzneimittel- oder Drogenabhängigkeit steigert das Abhängigkeitsrisiko zusätzlich. Rebound- und Absetzphänomene ähneln denen der Benzodiazepine. Bei Rebound-Phänomenen handelt es sich, nach dem Absetzen von Zopiclon, um eine Verstärkung der Symptome gegen die Zopiclon eigentlich eingesetzt wurde.

Kontraindikationen:

  • Abhängigkeitserkrankungen
  • Akute Alkohol-, Schlafmittel-, Analgetika- oder Psychopharmakaintoxikation
  • Schwere Lebererkrankungen
  • Chronische Ateminsuffizienz oder Schlaf-Apnoe-Syndrom
  • Myasthenia gravis (Muskelschwäche)

Wechselwirkungen:

  • Alkohol
  • Neuroleptika
  • Antidepressiva
  • Lithium
  • Hypnotika
  • Antiepileptika
  • Narkotika
  • Sedativa
  • Antihistaminika
  • Muskelrelaxantien
  • Cimetidin
  • Imidazole und Triazole (Pilzmittel)
  • Manche Antibiotika
  • Grapefruitsaft

Nebenwirkungen:

  • Erhebliches Risiko einer schweren Abhängigkeit
  • Gedächtnisverlust
  • Schläfrigkeit
  • Benommenheit
  • Bittere Geschmacksempfindungen
  • Kopfschmerzen
  • Müdigkeit
  • Appetitlosigkeit
  • Mundtrockenheit
  • Schwäche
  • Sensibilitätsstörungen
  • Lichtempfindlichkeit
  • Gangstörungen
  • Koordinationsstörungen
  • Verwirrtheit, herabgesetzte Konzentrationsfähigkeit
  • Teilnahmslosigkeit
  • Depression
  • Schwindelgefühl
  • Verändertes Sehvermögen, Doppelbilder
  • Übelkeit und Erbrechen, Magen-Darm-Probleme
  • Veränderung des Sexualverlangens
  • Hautreaktionen
  • Allergische Reaktionen
  • Absetzphänomene: Schlafstörungen in verstärkter Form, Stimmungswechsel, Angstzuständen und Unruhe
  • Paradoxe Wirkungen: Unruhe, Aufgeregtheit, Reizbarkeit, Enthemmung, Aggressivität, abnormes Denken, Wahnvorstellungen, Wutausbrüche, Alpträume, Halluzinationen, Psychosen, unangemessenes Verhalten, wesensfremde Extrovertiertheit

Bewertung:
Bei ärztlicher Verordnung hochwirksames Medikament zur kurzfristigen Behandlung von schweren Schlafproblemen. Allerdings hat Zopiclon ein erhebliches Abhängigkeitspotential. Auch besteht die Gefahr von Absetz- und Reboundphänomenen. Da die Stärke der Wirkung individuell sehr unterschiedlich sein kann, kann bei einmaliger Einnahme die genaue Art der Wirkung nicht vorhergesagt werden. Deshalb und wegen des hohen Abhängigkeitsrisikos erscheint das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer als äußerst ungünstig!

β-Blocker

β-Blocker (auch: Betablocker oder Beta-Adrenozeptor-Antagonisten) sind Substanzen, die im Körper die Beta-Adrenozeptoren blockieren und so verhindern, dass das Stresshormone Adrenalin und der Neurotransmitter Noradrenalin als Botenstoffe im vegetativen Nervensystem wirken können. Durch die erwünschte Blockade von β1-Rezeptoren senken sie den Blutdruck und die Herzfrequenz, weshalb sie sehr häufig zur Behandlung entsprechender, meist chronischer Erkrankungen auch über lange Zeiträume eingesetzt werden. Nebenbei werden allerdings auch die β2-Rezptoren zumindest teilweise blockiert, was negative Auswirkungen auf z.B. den Muskeltonus der Bronchialmuskulatur haben kann, was zu einer Verengung der Bronchien bis hin zu deren Verkrampfung führen kann.

Die Namen der Wirkstoffe lauten z.B. Propranolol (wirkt stärker auch auf β2-Rezeptoren), Metoprolol (am häufigsten) oder Bisoprolol. Sie ähneln sich in ihrer Wirkweise.

In einigen Sportarten, in denen es auf große Ruhe ankommt (z.B.: Schießen oder Golf) stehen β-Blocker auf der Liste der Dopingsubstanzen.

Metoprolol

Metoprolol soll hier beispielhaft für β-Blocker beschrieben werden. Es handelt sich dabei um einen β-Blocker, der „selektiv“ die β1-Rezeptoren blockiert. Allerdings ist die Selektivität relativ, d.h., dass eben doch zum Teil auch β2-Rezeptoren (s.1.3) blockiert werden. Metoprolol ist der am häufigsten verschriebene β-Blocker in Deutschland.

Metoprolol wird unter anderem eingesetzt zur Behandlung von Bluthochdruck, Herzschwäche, Herz-Rhythmus-Störungen, koronare Herzkrankheit, Angina pectoris, dem Zustand nach Herzinfarkt zum Schutz vor einem weiteren Herzinfarkt, zur Migräneprophylaxe und bei Schilddrüsenüberfunktion.

Als Neuroenhancer wird Metoprolol eine leicht beruhigende Wirkung z.B. bei großer (Prüfungs-)Angst nachgesagt, allerdings lediglich dadurch, dass körperliche Angstsymptome wie z.B. Herzrasen verringert werden. Das eigentliche Angstgefühl wird direkt nicht verringert. Inwieweit diese Wirkungen zu einem signifikant besseren Gefühl in einer Prüfung oder gar zu einer Leistungssteigerung führen, ist dem Autor nicht bekannt. Sicher ist dagegen, dass die häufigere Einnahme auch von nur geringen Dosen von Metoprolol z.B. vor Prüfungen zu einer psychischen Abhängigkeit führen kann („ohne Medikamente schaffe ich die Prüfung auf keinen Fall“).

Kontraindikationen:

  • Herzinsuffizienz
  • Niedriger Blutdruck (Hypotonie)
  • Verlangsamte Herzfrequenz (Bradykardie)
  • Bronchiale Hyperreagibilität (z.B. bei Asthma bronchiale)
  • Schwere, chronische Lungenerkrankungen

Wechselwirkungen z.B. mit:

  • Alkohol
  • Andere Mittel zur Blutdrucksenkung (z.B. andere ß-Blocker oder ACE-Hemmer)
  • Mittel zur Gefäßerweiterung
  • Entwässerungsmittel
  • Manche Calciumkanalblocker
  • Barbiturate
  • Neuroleptika
  • Antihistaminika
  • Trizyklische Antidepressiva
  • Insulin oder andere orale Antidiabetika
  • Salbutamol (Asthmamittel)
  • Erotamin-Abkömmlinge (Migränemittel)
  • Mefloquin (Malariamittel)
  • Ecstasy

Nebenwirkungen:

  • Herzrhythmusstörungen wie verlangsamte Herzfrequenz
  • Erregungs- oder Überleitungsstörungen
  • Kreislaufstörungen bis zur Bewusstlosigkeit
  • Herzklopfen
  • Verstärkung einer Herzmuskelschwäche mit Wassereinlagerungen und Atembeschwerden
  • verstärkter Blutdruckabfall
  • Müdigkeit, Erschöpfungszustände, Lethargie, herabgesetzte Aufmerksamkeit
  • Schwindel
  • Unwohlsein
  • Depressionen
  • Kopfschmerzen
  • Schlaflosigkeit
  • Verwirrtheit
  • Schwitzen
  • Alpträume, verstärkte Traumaktivität
  • Halluzinationen
  • Durchfall, Verstopfung, Blähungen, Übelkeit und Erbrechen, Leibschmerzen
  • Mundtrockenheit
  • Zunahme von Atembeschwerden bei bestehendem Asthma, Verkrampfung der Bronchialmuskeln
  • allergische Hautreaktionen
  • Empfindungsstörungen wie Kribbeln auf der Haut
  • Kältegefühl in den Armen und Beinen.
  • Nervosität
  • Muskelkrämpfe
  • Muskelschwäche
  • Bindehautentzündung (Konjunktivitis), verminderter Tränenfluss
  • Auftreten von Diabetes oder Verstärkung einer bereits bestehenden Diabeteserkrankung
  • Rebound-Phänomene bei plötzlichem Absetzen der Substanz (z.B. deutlicher Blutdruckanstieg) sind möglich

Bewertung:

Hochwirksames Medikament zur langfristigen Behandlung von Herz-Kreislaufproblemen. Es besteht die Gefahr von Absetz- und Reboundphänomenen, sowie einer psychischen Abhängigkeit. Da die Stärke der Wirkung individuell sehr unterschiedlich sein kann, kann bei einmaliger Einnahme die genaue Art der Wirkung nicht vorhergesagt werden. Unklarer Effekt auf Prüfungsangst. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer erscheint fraglich.

Andere

Cannabis

Cannabis ist das in Deutschland am häufigsten verwendete illegale Rauschmittel. Es wird aus Blüten und blütennahen Blättern bzw. dem Harz von Hanfpflanzen gewonnen. Der wichtigste psychoaktive Bestandteil ist das Tetrahydrocannabinol (THC), daneben gibt es noch etliche andere, z.B. Cannabidiol (CBD). Seine Wirkung ist in der Hauptsache eine leichte Sedierung bzw. eine Relaxierung. Meist kommt es zu einem intensiveren Erleben von positiven Gefühlen. Insofern könnte es als Neuroenhancer als stimmungsmodulierende Substanz eingesetzt werden. Manchmal jedoch werden auch Angst (bis zu Panik oder paranoiden Zuständen), Traurigkeit, Misstrauen oder Depersonalisation (die eigene Person oder Aspekte der Umwelt werden als fremd und verändert erlebt) empfunden. Die zu erwartenden Wirkungen können also auch von einem erfahrenen Konsumenten nicht zuverlässig vorhergesehen werden. Die Konzentration der psychoaktiven Substanzen in Hanfprodukten schwankt sehr stark. Allgemein wird von einer starken Erhöhung der Konzentration in den letzten beiden Jahrzehnten ausgegangen.

Die Wirkung von Cannabis hält dabei deutlich kürzer an als der Abbau der Substanz im Körper dauert. Bei inhalativem Konsum wird das Wirkmaximum in ca. 15 Minuten erreicht. Nach ca. 2 – 3 Stunden ist die Wirkung zumeist verschwunden. Oral eingenommen tritt die Wirkung stark verzögert ein, so dass eine Dosierung noch schwerer möglich ist als durch den schwankenden THC-Gehalt sowieso. Im Urin sind THC und seine Abbauprodukte etwa 30 Tage nachweisbar.

Erstmals als „Heilmittel“ verwendet wurde Cannabis vor ca. 4700 Jahren in China und in Indien vor ca. 2400 Jahren. Seit den Kreuzzügen wurde Cannabis auch in Europa gegen rheumatische und bronchiale Erkrankungen sowie als Opiumersatz (Schmerzmittel) eingesetzt. Wegen Schwierigkeiten in der Dosierung und teilweise paradoxen Wirkungen wurde es zusehends durch synthetisch hergestellte Medikamente verdrängt und schließlich nahezu weltweit verboten. Allerdings werden die pharmakologischen Wirkungen von THC weiter erforscht. Für die Behandlung von Schmerz, Krankheiten des Stütz- und Bewegungsapparates, Spastiken, bei Multipler Sklerose, Arthritis, Depression, Übelkeit, Erbrechen und Anorexie gibt es Hinweise auf eine Wirksamkeit.

Auch in Deutschland unterliegt der Besitz von Cannabis dem Betäubungsmittelgesetz und wird strafrechtlich verfolgt. Ausnahmen sind der behördlich erlaubte Bezug von Cannabis aus der Apotheke. Auch wird der Besitz einer „geringen Menge“ an Cannabis oft nicht verfolgt. Wo die Grenzen dieser „geringen Menge“ liegen, entscheidet letztlich jede Staatsanwaltschaft nach eigenem Ermessen.

Konsumiert wird Cannabis vor allem inhalativ oder oral. Der Rauch von Cannabis enthält in etwa so viel Teer wie der Tabakrauch und zusätzlich etliche andere giftige und krebserregende Substanzen, so dass der Cannabisrauch als giftiger als der Tabakrauch eingeschätzt werden muss. Die letale Dosis von Cannabis beim Menschen wird bei oraler Aufnahme auf etwa 300g (!) geschätzt – ein Todesfall durch Überdosierung ist nicht bekannt.

Kontraindikationen:

  • Allergische Reaktionen auf Cannabisprodukte
  • Psychische Probleme, insbesondere Psychosen und Suizidgedanken
  • Schwangerschaft
  • Schwere Herz-Kreislauferkrankungen
  • Hepatitis C
  • Suchterkrankungen

Wechselwirkungen z.B. mit:

  • Cannabis verstärkt die Wirkung von Alkohol, Benzodiazepinen und Opiaten
  • Cannabis verstärkt den Effekt von Fluoxetin
  • Cannabis kann die Wirkung von Neuroleptika herabsetzen
  • Aspirin® kann die Effekte von Cannabis hemmen
  • Cannabis kann den Wirkstoffspiegel von Protease-Hemmern im Blut reduzieren
  • Bei Mischgebrauch mit LSD erheblich gesteigertes Psychoserisiko

Nebenwirkungen:

  • Mundtrockenheit,
  • gesteigertes Hungergefühl
  • Herzrasen (Tachykardie)
  • Blutdruckabfall, eventuell dramatisch („Umkippen“)
  • Müdigkeit bzw. Antriebslosigkeit
  • Schwindel
  • Verringerung der Konzentrationsfähigkeit und der Urteilskraft (obwohl das subjektive Empfinden dem entgegengesetzt ist)
  • Beeinträchtigung des Kurzzeitgedächtnisses
  • Dysphorie oder Depression
  • Angst und Panikattacken
  • Gefühle von Unwirklichkeit und Depersonalisation
  • Beeinträchtigung der Fahrtüchtigkeit
  • Erhöhung des Risikos der Ausbildung einer Schizophrenie (auch bei einmaligem Konsum!)
  • bei dauerhaftem Gebrauch:
  • Erkrankungen des Atmungssystems, chronische Bronchitis, Bronchialkarzinom
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Entwicklung einer psychischen Abhängigkeit (körperliche Entzugserscheinungen scheinen weniger vorzukommen)
  • Amotivationssyndrom (Lethargie, verminderte Belastbarkeit, allgemeines Desinteresse, verflachter Affekt; die Entwicklung eines solchen Syndroms wird von einigen Forschern allerdings als nicht bewiesen angesehen)
  • Hirnorganische Veränderungen durch Cannabis konnten bei Erwachsenen nicht nachgewiesen werden, wohl aber bei Jugendlichen!
  • Absetzproblematik (Unruhe, Reizbarkeit, Schlaflosigkeit, verminderter Appetit, Schwitzen)

Bewertung:

Offenbar wirksame Substanz bei der Behandlung einiger Erkrankungen und (als Neuroenhancer immer!) illegale Droge. Cannabis ist schwer zu dosieren und kann paradoxe Wirkungen haben. Es besteht die Gefahr von Absetzphänomenen, sowie einer psychischen Abhängigkeit. Insbesondere dauerhafter Gebrauch wird sich sehr ungünstig auf die Fähigkeit zu studieren auszuwirken. Unklarer Effekt auf Prüfungsangst. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer erscheint sehr fraglich, bei langfristiger Anwendung als äußerst ungünstig.

Alkohol

Alkohol (Ethanol) ist vermutlich in Deutschland die psychoaktive Substanz, die am häufigsten eingenommen wird. 2004 trank jeder Deutsche im Jahr etwa 12,8 Liter reinen Alkohol. Etwa ein Drittel aller Männer und ein Fünftel aller Frauen in Deutschland konsumiert Alkohol in gesundheitlich bedenklichen Mengen. 1,7 Millionen Deutsche gelten als alkoholabhängig. Die WHO sieht einen Konsum von bis zu 7 Gramm/Tag bei 4 konsumfreien Tagen in der Woche als gesundheitlich unbedenklich an. Ein Selbsttest bezüglich der Alkoholgefährdung findet sich unter: www.kenn-dein-limit.de/selbst-tests/alkohol-selbst-test/

Als Neuroenhancer könnte Alkohol als Substanz, die die Stimmung positiv beeinflusst, eingesetzt werden. Er wirkt (kurzfristig) stimmungsaufhellend, angstlösend, aktivierend oder schlafanstoßend. Viele Studierende berichten schon einmal Alkohol getrunken zu haben, um „runter zu kommen“.

Alkohol wird zwar nicht als „giftig“ eingestuft, er (und seine Abbauprodukte, z.B. Acetaldehyd) hat allerdings einen schädigenden Einfluss auf alle Körperzellen, am meisten auf Leber, zentrales Nervensystem und wenn vorhanden, auf den Embryo. Zusätzlich zieht Alkohol eine Reihe von sekundären Gesundheitsproblemen nach sich. So führt Alkoholkonsum zu einer Erhöhung der Durchlässigkeit der Blut-Hirn-Schranke, so dass auch andere Schadstoffe das Gehirn leichter erreichen. Außerdem entstehen bei regelmäßigem Alkoholgenuss Mangelerscheinungen (Vitamine, Elektrolyte, Spurenelemente). Alkoholkonsum führte 2010 zu 15.000 Todesfällen in Deutschland, rund die Hälfte davon durch Leberzirrhose.

Jellinek teilte bereits in den 50er Jahren Alkoholtrinker in verschiedene Typen ein (Alpha-Typ bis Epsilon-Typ). Für die Verwendung von Alkohol zur Regulierung der Stimmung ist vor allem der Alpha-Typ („Erleichterungstrinker“  oder „Kummertrinker“) in Betracht zu ziehen. Beim Alpha-Trinker handelt es sich nicht um einen Alkoholabhängigen, jedoch um eine Person, die Gefahr läuft, eine (zunächst) psychische Abhängigkeit zu entwickeln, dadurch, dass er in Spannungssituationen regelmäßig Alkohol konsumiert um Spannungen zu reduzieren und Konflikte zu beseitigen. Die Menge des konsumierten Alkohols hängt dabei ab von der jeweiligen Stresssituation.

Selbstüberschätzung und gesteigerte Aggression stehen kurzfristig den positiven Folgen des Alkoholgenusses gegenüber. So spielt Alkohol bei Gewaltkriminalität eine große Rolle: 47% aller Totschlagsdelikte in Deutschland, 37% aller Vergewaltigungen und 29% aller Morde passieren unter Alkoholeinfluss.

In manchen Studien wird von isolierten positiven Effekten von Alkohol auf die Gesundheit berichtet. Diese treten allerdings nur bei sehr geringem Alkoholkonsum auf (J-förmige Kurve!) und stehen den Gesundheitsrisiken gegenüber. Bei einigen Studien dieser Art werden die Auftraggeber (z.B. Wein- und Bierproduzenten) verdächtigt, den Ausgang der Studie beeinflusst zu haben.

Kontraindikationen:

  • Schwangerschaft !!!
  • Leberschäden oder Einnahme von Medikamenten, die die Leber stark belasten
  • Abhängigkeitserkrankungen

Wechselwirkungen z.B. mit:

  • Vielen illegalen Drogen (z.B.: Amphetaminen, Opiaten)
  • Methylphenidat
  • Selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern
  • Metoprolol
  • Antiepileptika
  • Antipsychotika
  • Benzodiazepine und andere Beruhigungs- und Schlafmittel (z.B. Chloraldurat®)
  • Antihistaminika
  • Cannabis
  • Bei einigen Medikamenten wird deren Abbau bei Alkoholkonsum beschleunigt und deren Wirkung damit deutlich reduziert

Nebenwirkungen:

  • Aufmerksamkeitsstörung
  • Verringerung der kognitiven Leistungsfähigkeit; bei längerem Missbrauch Alkoholdemenz
  • Gesteigerte Aggressivität
  • Affektlabilität
  • Gang- und Standunsicherheit
  • Bewusstseinsminderung
  • Verwaschene Sprache
  • Hypotonie bei starkem Konsum
  • Leberschäden, bei längerem Missbrauch eine oft tödliche Leberzirrhose
  • Bei akuter Vergiftung: Delir, Wahrnehmungsstörungen, Koma
  • Für Menschen, die nicht gewohnt sind zu trinken, herrscht ab ca. 3 ‰ Blutalkohol akute Lebensgefahr
  • Risiko einer Abhängigkeit

Bewertung:

Der mäßige Genuss von Alkohol bereitet keine Probleme. Als gefährlich muss allerdings die Situation eingeschätzt werden, wenn Alkohol als primäres Mittel der Stressbewältigung eingesetzt wird. Hier droht eine Abhängigkeit. Den kurzfristig positiven psychischen Wirkungen stehen kurz- und langfristig negative gegenüber. Das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer erscheint sehr fraglich, bei langfristiger Anwendung als äußerst ungünstig.

Substanzen, die zur Verbesserung der kognitiven Leistungsfähigkeit eingesetzt werden

Psychostimulanzien

Psychostimulanzien sind Substanzen, die die Aktivität von Nerven erhöhen, beschleunigen oder verbessern und so den Organismus anregen sollen.

 Amphetamine und verwandte Substanzen

Amphetamin (alpha-Methylphenethylamin)

Amphetamine gehören zur Gruppe der Psychostimulanzien; die Handelsnamen sind z.B. Aderall®, Attentin®, Benzedrin®, Pemolin®, D,L-Racemat®, Ephedrin (natürlich vorkommend). Als Droge wird es als „Speed“ oder „Pep“ bezeichnet. MDMA (Methylendioxymethamphetamin, Ecstasy) ist dem Amphetamin sehr ähnlich, als illegale Droge aber häufig mit anderen Substanzen gemischt.

Amphetamine wurde z.B. Soldaten im 2. Weltkrieg massenhaft als „Muntermacher“ verabreicht – sie sollten wach, motiviert und aggressiv halten. Seit 1937 ist bereits bekannt, dass sie auch von Studenten (damals an der Universität Minnesota) zum Durchlernen von Nächten eingesetzt werden, später auch als Mittel zur Gewichtsreduktion und als Asthmamittel.

Amphetamine wirken dabei stimulierend auf das sympathische Nervensystem, sie wirken leicht euphorisierend, reduzieren Hunger, Durst, Müdigkeit und Schmerzempfinden. Dagegen steigern sie das Selbstwertgefühl. Für eine tatsächliche Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit liegen keine Hinweise vor. Amphetamine sorgen für eine verstärkte Freisetzung von Dopamin, was zu einem hohen Suchtpotenzial führt. Deshalb unterliegen sie dem Betäubungsmittelgesetz (BtMG).

Kontraindikationen:

  • Abhängigkeitserkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Psychotische Symptomatik
  • Depressionen
  • Angsterkrankungen
  • Essstörungen
  • Krampfanfälle
  • Tic-Störungen
  • organische Hirnerkrankungen
  • Zustand nach Schlaganfall
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Engwinkelglaukom
  • Schwangerschaft und Stillzeit

+ s. „Gefährliche Wechselwirkungen“

Gefährliche Wechselwirkungen u.a. mit:

Mao-Hemmern, Ecstasy, Alkohol, Kokain, Ritonavir

Nebenwirkungen:

  • erhöhter Blutdruck und Pulsfrequenz
  • trockene Schleimhäute
  • erweiterte Pupillen
  • Appetitlosigkeit
  • Krämpfe der Kau- und Wangenmuskulatur
  • Nährstoff- und Schlafmangel: erhöhte Infektanfälligkeit, körperliche und geistige Schwäche
  • Gefahr der Überdosierung!!! Die letale (tödliche) Dosis liegt bei ca. 1,3mg/kg Körpergewicht (bei Gewöhnung höher), d.h.: ca. 100mg bei 75kg  → letale Überdosierungen vor allem bei illegalen Substanzen möglich, da diese einen unklaren Amphetaminanteil haben! Bei Überdosierung: Kreislaufkollaps, Atemlähmung, Hirnblutungen
  • Aggressionsschwelle wird gesenkt
  • Größenwahn, Paranoia, latente (reversible) Psychosen
  • Bewusstsein wird auf ein Ereignis konzentriert („Tunnelblick“)
  • bei höherer Dosis allerdings Fahrigkeit und Unruhe, Schlafstörungen
  • Gewichtsverlust
  • Potenzstörungen bei Libidoanstieg
  • Nierenschäden
  • Nervenschäden
  • Verlust des Zahnschmelzes, Hautunreinheiten
  • Unruhe, verstärkte motorische Aktivität, Rededrang
  • Rebound (Zunahme der Symptome nachdem die Wirkung nachlässt): Nervosität und Abgespanntheit
  • Entzugserscheinungen: Lethargie, Depressionen bis hin zu Selbstmordtendenzen, Apathie, Angst und Schlafstörungen, Muskelschmerzen (Myalgie), Bauchschmerzen und übermäßiger Appetit
  • Starke psychische Abhängigkeit

Bewertung:

Wirkungsvolles Psychostimulans, wobei allerdings unklar ist, inwieweit eine gefühlte Verbesserung der Leistungsfähigkeit lediglich auf eine entsprechende Veränderung der Selbstwahrnehmung zurückzuführen ist und nicht auf eine tatsächliche Leistungssteigerung. Großes Nebenwirkungs- und Suchtpotenzial. Da es dem Betäubungsmittelgesetz unterliegt ist die nicht durch einen Arzt verschriebene Anwendung illegal. Die Wirksamkeit als Neuroenhancer erscheint oft nicht höher als die von Koffein. Insgesamt erscheint das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer als äußerst ungünstig!

Methamphetamin

Methamphetamin (N-Methylamphetamin) ist ein aus Ephedrin (s. 2.1.1.1) synthetisiertes Psychostimulans. Bis 1988 kam es in einem Arzneimittel zur Unterdrückung der Müdigkeit (Pervitin®) vor, wurde dann vom Markt genommen und findet heute in Deutschland keine Verwendung als Arzneimittel mehr. Als billige, illegale Droge wird es als „Meth“, „Yaba“, „Chrystal“ oder „Ice“ bezeichnet. Selbst in reiner Form wirkt es enorm zerstörerisch z.B. auf das zentrale Nervensystem und ist damit gefährlicher als viele andere harte Drogen. Zusätzlich scheint die Herstellung nicht einfach, so dass es oft zu Unreinheiten kommt.

Im 2. Weltkrieg wurde Methamphetamin millionenfach in Wehrmacht und Luftwaffe zur Reduktion von Angst sowie zur Steigerung der Konzentrationsfähigkeit eingesetzt. Später wurde es auch als Dopingmittel im Sport verwendet mit teilweise verheerenden Folgen.

In seiner Wirkung ist es den Amphetaminen sehr ähnlich (leicht euphorisierend, Hunger, Durst, Müdigkeit und Schmerzempfinden reduzierend, Selbstwertgefühl steigernd), wirkt allerdings stärker und länger. Es hat außerdem ein noch größeres Suchtpotential (starke psychische Abhängigkeit).

Nebenwirkungen

  • Schwächung des Immunsystems
  • Hautentzündungen
  • Haarausfall
  • Zahnausfall
  • Zersetzung der Schleimhäute in Mund und Nase (bei Schnupfen oder Rauchen)
  • Magenschmerzen
  • Magendurchbruch
  • Herzrhythmusstörungen
  • Schlafstörungen
  • Erhöhte Körpertemperatur
  • Paranoide Wahnvorstellungen aufgrund des Schlafmangels
  • Ausbruch einer latenten Schizophrenie
  • Potenzstörungen bei Libidoanstieg
  • Unruhe, gesteigerter motorischer Antrieb
  • Übersteigerte(r) Egozentrik/Narzissmus, Mitteilungsbedürfnis
  • Aggressivität
  • Nierenschäden
  • Leberversagen
  • Gewichtsverlust
  • schwere Depressionen
  • bei häufigerer Anwendung: schneller geistiger Verfall
  • Gefahr der Überdosierung!!! Letale Dosis ist offenbar geringer als beim Amphetamin, genaue Zahlen konnten allerdings nicht gefunden werden
  • Rebound: Lethargie, Depression, Erschöpfung mit sehr langen Schlafperioden, starkes Hungergefühl
  • starke psychische Abhängigkeit

Bewertung:

Wirkungsvolles Psychostimulans, wobei allerdings unklar ist, inwieweit eine gefühlte Verbesserung der Leistungsfähigkeit lediglich auf eine entsprechende Veränderung der Selbstwahrnehmung zurückzuführen ist und nicht auf eine tatsächliche Leistungssteigerung. Außerdem hat es auch Wirkungen, die einer verbesserten Leistungsfähigkeit entgegenwirken. Großes Nebenwirkungs- und extrem hohes Suchtpotenzial. Die Anwendung ist illegal. Insgesamt ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis der Anwendung als Neuroenhancer (und zu jedem anderen Zweck) katastrophal!

Methylphenidat

Methylphenidat ist in seinen stimulierenden Wirkungen den Amphetaminen sehr ähnlich. Wegen einer verzögerten Verfügbarkeit im Organismus kommt es aber nicht zu einem „kick“. Es unterliegt dem BtMG, wodurch der Besitz, soweit nicht durch z.B. eine ärztliche Verordnung legitimiert, verboten ist. Methylphenidat ist aber auf Rezept erhältlich z.B. als Ritalin®, Medikinet®, Concerta® oder als Methypatch®.

Es wurde 1944 von Leandro Panizzon synthetisiert und an seiner Frau „Rita“ (→ Ritalin) ausprobiert. Diese war bei Gebrauch von besseren Leistungen beim Tennisspiel unter Ritalin beeindruckt. Es steigert kurzzeitig die körperliche Leistungsfähigkeit, wirkt anregend und baut Hemmungen ab. Schmerzwahrnehmung, Schlafbedürfnis und Hunger werden vermindert. Als Neuroenhancer eingesetzt steigert es die kognitive Leistung nach Schlafentzug und erhöht die Leistung bei einfachen, sich wiederholenden Aufgaben. Die Leistung bei komplexen kognitiven Aufgaben verschlechtert sich dagegen.

Indikation für die Verordnung von Methylphenidat ist bei Kindern und Jugendlichen ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom). Bei Erwachsenen ist es erst seit 2011 für die Behandlung von ADHS zugelassen, zusätzlich bei Narkolepsie und therapieresistenten Depressionen.

Kontraindikationen:

  • Abhängigkeitserkrankungen
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Psychotische Symptomatik
  • Depressionen
  • Angsterkrankungen
  • Essstörungen
  • Krampfanfälle
  • Tic-Störungen
  • organische Hirnerkrankungen
  • Zustand nach Schlaganfall
  • Schilddrüsenüberfunktion
  • Engwinkelglaukom
  • Schwangerschaft und Stillzeit

Gefährliche Wechselwirkungen u.a. mit:

  • MAO-Hemmern
  • Alkohol
  • hemmt Abbau von manchen Blutgerinnungsmitteln
  • Antiepileptika
  • Neuroleptika
  • trizyklischen Antidepressiva

Nebenwirkungen

  • vermutlich Wachstumshemmung bei Kindern/Jugendlichen
  • Appetitverlust, Rückgang der Flüssigkeitsaufnahme
  • Übelkeit, Bauchschmerzen, Erbrechen
  • Bluthochdruck, Herzrasen, Herzklopfen, Herzrhythmusstörungen
  • Nervosität, Schlaflosigkeit
  • Höhere Empfindsamkeit, Depression bis hin zur Suizidalität, Reizbarkeit
  • Gefühl, nicht mehr man selbst zu sein, wie eine Maschine zu reagieren
  • Rebound (Verstärkung der Symptomatik beim plötzlichen Absetzen), z.B. Anstieg der ADHS-Symptome
  • Selten Leberversagen, Blutbildveränderungen, Krämpfe
  • Autofahren unter Methylphenidat ist grundsätzlich zwar erlaubt, bei einigen Personen (nicht bei ADHS-PatientInnen!) gibt es offenbar ein erhöhtes Unfallrisiko
  • Fragliche Suchtgefahr bei normaler Applikation (oral bis 60mg/Tag), bei intravenöser Applikation und hören Dosen: psychische Abhängigkeit
  • Bei Überdosierung: Übererregtheit des zentralen Nervensystems, Krämpfe, Delirium, Koma

Bewertung:

Bei ADHS wirkungsvolles Medikament mit geringem Suchtpotential, allerdings sind Langzeituntersuchungen noch nicht ausreichend vorhanden. Als Neuroenhancer sind die Wirkungen fraglich (bei einfachen Aufgaben offenbar eine Verbesserung, bei komplexen Aufgaben offenbar Verschlechterung der Leistungsfähigkeit, wirksam nach Schlafentzug). Nebenwirkungen wie Herzklopfen, Reizbarkeit und Nervosität können die Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit mehr als wettmachen. Ein Abhängigkeitsrisiko besteht, ist aber deutlich geringer als bei Amphetamin und Methamphetamin. Somit ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Anwendung als Neuroenhancer sehr fraglich.

Modafinil

Modafinil ist ein neueres Psychostimulans, das sich in seiner chemischen Struktur deutlich von den amphetaminähnlichen Substanzen unterscheidet. Produktnamen sind z.B.: Vigil®, Provigil® (in den USA) oder Modasomil®. Es wird seit 1994 in Frankreich, seit 1998 in den USA eingesetzt. Ähnlich wie Methylphenidat braucht es lange, bis es im Organismus vollständig verfügbar ist, so dass es zu keinem „kick“ bei der Einnahme kommt. Ein Abhängigkeitsrisiko besteht trotzdem. Langzeituntersuchungen existieren bisher nicht. Seit 2008 unterliegt es nicht mehr den Bestimmungen des BtMG, ist aber verschreibungspflichtig.

Modafinil bewirkt offenbar eine Aktivierung und eine Steigerung der Konzentrationsfähigkeit bei einfachen Aufgaben.

Die Indikation für den Einsatz von Modafinil ist Hypersomnie bzw. Narkolepsie. Bei Schlafapnoe und Schichtarbeiter-Syndrom wird die Anwendung in der EU seit 2011 nicht mehr als günstig angesehen. Off-label wird es auch eingesetzt bei ADHS, chronischem Erschöpfungssyndrom, Depression und Schizophrenie.

Kontraindikationen:

  • Abhängigkeitserkrankungen
  • schwere Angstzustände
  • psychotische, depressive oder manische Vorerkrankungen
  • schwere Leber- oder Nierenerkrankungen
  • Bluthochdruck, schwere Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Gefährliche Wechselwirkungen u.a. mit:

  • Prazosin
  • trizyklische Antidepressiva
  • einigen Antiepeliptika
  • Diazepam
  • Propranolol

Achtung: es bestehen derzeit noch sehr wenige Erfahrungen mit Wechselwirkungen!

Nebenwirkungen:

  • Blutdrucksteigerung
  • Kopfschmerzen
  • Verschwommenes Sehen
  • Übelkeit, Verdauungsstörungen
  • Schwere Hautreaktionen verschiedener Art
  • Nervosität
  • Verwirrtheit, Denkstörungen
  • Ängste, Depressionen bis zu Suizidgedanken
  • Tagesmüdigkeit
  • Aggressionsschwelle wird gesenkt
  • Akustische Halluzinationen, Wahnvorstellungen
  • Vermutlich geringe Toxizität
  • Psychische Abhängigkeit
  • Reduziert die Wirksamkeit von Kontrazeptiva (insbesondere Mini- und Micro-Pille) auch noch einen Monat nach Einnahme!

Bewertung:

Bei Narkolepsie wirkungsvolles Medikament mit geringem Suchtpotential, allerdings sind Langzeituntersuchungen noch nicht vorhanden! Als Neuroenhancer sind die Wirkungen fraglich (bei einfachen Aufgaben offenbar eine Verbesserung). Nebenwirkungen wie Nervosität, Denkstörungen Benommenheit oder emotionale Veränderungen können die Steigerung der kognitiven Leistungsfähigkeit mehr als wettmachen. Ein Abhängigkeitsrisiko besteht, ist aber deutlich geringer als bei Amphetamin und Methamphetamin. Somit ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Anwendung als Neuroenhancer fraglich.

Antidementiva

Antidementiva sind Medikamente, mit denen versucht wird, Demenz zu behandeln. Zumeist besitzen sie im Frühstadium der Demenz eine gewisse Wirksamkeit. Manchmal werden Antidementiva auch als Nootropika bezeichnet. Dieser Begriff ist allerdings sehr unscharf und weiter gefasst als Antidementiva, bezeichnet er doch alle möglichen Substanzen, so auch Nahrungsergänzungsmittel, die sich positiv auf den Verstand auswirken sollen.

Donepezil

Donepezil wird bei der Behandlung von leichter bis mittelschwerer Demenz des Alzheimer-Typs eingesetzt. Es erhöht dabei die Verfügbarkeit des Neurotransmitters Acetylcholin (durch Hemmung der Cholinesterase, die das Acetylcholin aufspaltet), was die Hirnleistung verbessern soll. Substanznamen sind in Deutschland Aricept® und Yasnal®

Die tatsächliche Wirkung scheint in einer statistisch signifikanten aber sehr geringen Verbesserung des Erinnerungs- und Denkvermögens zu liegen, bei Einzelnen ist die Substanz dagegen völlig wirkungslos.

Kontraindikationen:

  • Überempfindlichkeit gegenüber Piperidin-Derivate
  • Besondere Vorsicht bei: Magengeschwüren, Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen, obstruktiven Lungenerkrankungen (z.B. Asthma bronchiale) und Blasenobstruktion

Wechselwirkungen:

  • nichtsteroidalen Antirheumatika (z.B. auch Acetylsalicylsäure = Aspirin)
  • Muskelrelaxantien
  • Anticholinergika
  • Betablocker

Nebenwirkungen:

  • Durchfall, Übelkeit, Erbrechen
  • Müdigkeit
  • Kopfschmerz
  • Infektionserkrankungen
  • Appetitlosigkeit
  • Albträume, Halluzinationen
  • Erregung
  • Angstzustände
  • Harninkontinenz
  • Schlaflosigkeit
  • Schwindel
  • Ausschlag, Juckreiz
  • Herzrhythmusstörungen
  • Muskelkrämpfe
  • offenbar keine Abhängigkeit

Bewertung:

Medikament mit sehr geringer therapeutischer Wirkung, bei einigen Personen auch völlig wirkungslos. Kein Abhängigkeits-, jedoch nicht unerhebliches Nebenwirkungspotential. Somit ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Anwendung als Neuroenhancer fraglich.

Piracetam

Auch Piracetam wird seit den 60er Jahren zur Behandlung der Symptome einer Demenz eingesetzt. Es ist ein Derivat der Gamma-Aminobuttersäure (GABA) und soll den Zuckerstoffwechsel und die Sauerstoffverwertung im Gehirn anregen. Die genauen biochemischen Wirkmechanismen sind dabei allerdings größtenteils unklar. Handelsnamen sind z.B. Piracebral®, Piracetam®, Cerepar®, Nootrop®, Normabrain®. Bei Kindern kann Piracetam eventuell bei der Behandlung einer Lese-Rechtschreibschwäche eingesetzt werden.

Piracetam kann Gedächtnis-, Denk- und Konzentrationsstörungen sowie Antriebsstörungen, Motivationsmangel und vorzeitige Ermüdbarkeit lindern.

Studien zeigten allerdings bei einer kleineren Gruppe von Versuchspersonen auch eine Verschlechterung beim Lernen! Insgesamt scheint die therapeutische Wirksamkeit nur ungenügend nachgewiesen zu sein.

Kontraindikationen:

  • Überempfindlichkeit gegenüber dem Wirkstoff
  • Besondere Vorsicht bei: Nierenfunktionsstörungen, Blutgerinnungsstörungen

Wechselwirkungen:

  • Verstärkt möglicherweise die Wirkung von Blutgerinnungshemmern
  • verstärkte Erregbarkeit bei gleichzeitiger Einnahme von Schilddrüsenhormonen
  • Nebenwirkungen von Neuroleptika können verstärkt werden
  • Wirkungen von Opioiden, Schlafmitteln und Antidepressiva können verstärkt werden

Nebenwirkungen:

  • Antriebssteigerung
  • Schlafstörungen, Schlaflosigkeit, Nervosität
  • Depressionen
  • Angststörungen
  • Aggressivität
  • Übelkeit, Brechreiz, Bauchschmerzen, Durchfall
  • Gewichtszunahme
  • Schwindel, Schwäche, Blutdruckabfall
  • Blutdrucksteigerung
  • gesteigerte Libido
  • Kopfschmerzen
  • Bewegungsstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Verwirrtheitszustände
  • Wahnvorstellungen
  • Schläfrigkeit
  • allergische Reaktionen wie anaphylaktischer Schock, Nesselsucht, Hautrötungen, Juckreiz
  • Hitzegefühl, Schweißausbrüche
  • offenbar keine Abhängigkeit

Bewertung:

Medikament mit nur unzureichend nachgewiesener therapeutischer Wirkung, bei einigen Personen auch völlig wirkungslos. Kein Abhängigkeits-, jedoch nicht unerhebliches Nebenwirkungspotential. Somit ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Anwendung als Neuroenhancer fraglich.

Ginkgo Biloba

Bei Ginkgo Biloba handelt es sich um einen entwicklungsgeschichtlich sehr alten Baum, der ursprünglich aus Südchina stammt. Pharmazeutisch genutzt wird ein Extrakt aus den Blättern des Baumes, der hauptsächlich Ginkgolide und Terpenlactone enthält. Dieser Extrakt wird eingesetzt bei hirnorganischen Leistungsstörungen, Durchblutungsstörungen, Schwindel und Ohrengeräuschen. Die Wirkung soll durch eine mindestens kurzzeitige Zunahme von Acetylcholin als Botenstoff erfolgen. Auch bei Ginkgo sind die Wirkmechanismen im Einzelnen noch nicht eindeutig nachgewiesen. In der traditionellen chinesischen Medizin werden auch andere Bestandteile der Pflanze für ganz unterschiedliche Anwendungen genutzt. Handelsnamen sind unter anderem Gingium® und Tebonin®

Studien zeigten teilweise einen signifikanten Effekt, teilweise nicht. Offenbar ist auch bei Ginkgo wie bei allen Antidementiva die Wirkung nur äußerst moderat und im Einzelnen schwer zu bestimmen.

Kontraindikationen:

  • Überempfindlichkeit gegen einen der Wirkstoffe

 Wechselwirkungen:

  • Vermutlich wird die Wirkung von Blutgerinnungshemmern verstärkt

Nebenwirkungen:

  • Magen-Darm-Beschwerden
  • Kopfschmerzen
  • Allergische Hautreaktionen

Bewertung:

Medikament mit nur unzureichend nachgewiesener therapeutischer Wirkung, bei einigen Personen auch völlig wirkungslos. Kein Abhängigkeits-, jedoch vorhandenes Nebenwirkungspotential. Wegen der fraglichen Wirksamkeit ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der Anwendung als Neuroenhancer fraglich.

Andere Substanzen

Koffein

Koffein (Synonym: Coffein, Teein oder Thein, für Chemikerinnen und Chemiker: 1,3,7-Trimethyl-3,7-dihydro-2H-purin-2,6-dion, Summenformel: C8H10N4O2) ist die weltweit am meisten konsumierte „pharmakologische Substanz“. Neben Kaffee, Tee, Cola, Mate, Guarana und Energy-Drinks kommt sie in sehr geringen Mengen auch in Schokolade vor. Als Entdecker des Koffeins gilt ein Apotheker mit dem Namen Runge, der auf Anregung Goethes die Kaffeebohne auf ihre wirksame Substanz untersuchte und fündig wurde. Koffein ist ein Alkaloid (wie z.B. Ephedrin und Meskalin). Die tödliche Dosis liegt bei einem Menschen theoretisch bei ca. 100 Tassen Kaffee (natürlich in kürzester Zeit eingenommen – aber wer kann schon 15 bis 20 Liter Kaffee in kürzester Zeit trinken???). Bei Espresso können allerdings schon drei bis vier Liter ausreichen.

Der Wirkmechanismus ist bei Koffein wie folgt: Bei der Arbeit von Nervenzellen im Gehirn entsteht Adenosin. Dieser Stoff hemmt die Nervenzellen ein wenig, was sinnvoll ist, um sie vor Überlastung zu schützen. Das Koffein besetzt nun die gleichen Rezeptoren wie das Adenosin, ohne diese jedoch zu aktivieren. Somit kann das Adenosin seine hemmende Aufgabe nicht mehr wahrnehmen. Allerdings reagieren die Nervenzellen nach ca. 1 – 2 Wochen mit der Ausbildung neuer Adenosin-Rezeptoren, womit eine Toleranzentwicklung gegenüber Koffein einhergeht.

Die Wirkungen von Koffein sind vielfältig, z.B.:

  • Anregung des Zentralnervensystems (Erhöhung von Aufmerksamkeit, Konzentrationsfähigkeit und Merkfähigkeit)
  • Verringerung des Schlafbedürfnisses
  • Leichte Euphorisierung
  • Erhöhung der Kontraktionskraft des Herzens
  • Steigerung der Herzfrequenz
  • Bronchialerweiterung
  • Schwach harntreibende Wirkung
  • Wirkung auf Blutgefäße: auf Gefäße im Gehirn wirkt Coffein verengend, auf solche in der Peripherie erweiternd
  • Eine geringfügige Erhöhung des Blutdrucks wird beschrieben
  • Anregung der Peristaltik des Darmes

Medizinisch angewendet wird Koffein wegen seiner verstärkenden Wirkung auf Schmerzmittel als Zusatzstoff in der Schmerz- und der Migränetherapie.

Koffein ist als Suchtmittel zu betrachten. Bei regelmäßigem, auch nur mäßigem Konsum tritt eine Toleranzentwicklung auf und bei Entzug entstehen körperliche (z.B.: Kopfschmerzen und Übelkeit) und psychische (Reizbarkeit, depressive Stimmung, Erschöpfung, Konzentrationsstörungen) Entzugserscheinungen. Die Entzugserscheinungen sind meist nur kurz, können selten aber auch bis zu neun Tagen andauern. Ein akute Intoxikation, ein Abhängigkeitssyndrom bzw. ein Entzugssyndrom bei Koffein stellen nach der „Internationalen Klassifikation psychischer Störungen“ der WHO klinisch relevante psychische Störungen dar.

Koffein ist natürlich, relativ preisgünstig, legal und gesellschaftlich akzeptiert. Es gilt entsprechend der World Anti-Doping Agency (WADA) im Sport noch nicht einmal als Dopingmittel.

Kontraindikationen:

  • Leberzirrhose
  • Herzrhythmusstörungen
  • Angststörungen
  • Überfunktionen der Schilddrüse

Wechselwirkungen:

  • Verstärkt die Wirkungen von Amphetaminen, Ecstasy (Achtung: gravierende Herz-Kreislauf-Probleme möglich) und Methylphenidat
  • Schmerzstillende Wirkung von Acetylsalicylsäure und Paracetamol wird verstärkt (weshalb es auch Mischpräparate zu kaufen gibt)
  • Eine Abhängigkeit von Amphetaminen wird durch Koffein verstärkt
  • Koffein reduziert die beruhigende Wirkung von Antihistaminika und Barbituraten.

Nebenwirkungen:

  • Verringerung der Geschicklichkeit
  • Schlafschwierigkeiten
  • Nervosität
  • Erregung
  • Besonders bei sehr hohen Dosen: stark beschleunigter Puls und Herzrhythmusstörungen
  • Bei starker Überdosierung: Kreislaufkollaps

Bewertung:

Substanz mit nachgewiesener kurzfristiger therapeutischer Wirkung. Ein Abhängigkeitsrisiko besteht bei regelmäßigem, auch nur mäßigem Gebrauch! Nebenwirkungspotential vor allem bei höheren Dosen. Kosten-Nutzen-Verhältnis bei der kurzfristigen (!) Anwendung als Neuroenhancer bei Gesunden Menschen zumeist gut. Lt. Herrn Prof. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin der Universität Frankfurt und Leiter des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Frankfurt existiere kein Neuroenhancer, der eine bessere Wirkung als einige Tassen Kaffee habe.

Geschickt wäre beim Einsatz von Koffein als Neuroenhancer die Strategie, den Koffeinkonsum vor der Prüfungszeit auszusetzten (Achtung: Entzugserscheinungen möglich), damit der Gewöhnungseffekt zurückgeht, um in der Prüfungszeit die volle Wirkung des Koffeins zu nutzen. Den Gewöhnungseffekt durch entsprechend mehr Koffein auszugleichen ist nicht ratsam, da sich dann unangenehme Nebenwirkungen wie Nervosität und Schlafschwierigkeiten mit größerer Wahrscheinlichkeit einstellen.

Ethische Probleme von Neuro-Enhancement

Hier soll in Stichworten diskutiert werden, ob es moralisch gut oder schlecht ist, Neuro-Enhancement anzuwenden, bzw. welche Probleme durch Neuro-Enhancement entstehen könnten:

Probleme auf gesellschaftlicher Ebene:

  • Neuro-Enhancement könnte zu mehr Wettbewerb und Konkurrenz führen, eine Kompetitionsspirale könnte einsetzen
  • Wegen der Kosten für Neuro-Enhancement-Präparate gibt es keine Zugangsgerechtigkeit zu Neuro-Enhancement (Krankenkasse zahlt nicht)
  • Neuro-Enhancement ist eine Flucht vor der realen Welt
  • Neuro-Enhancement führt zu Konformismus

Probleme auf der Individualebene:

  • Bei Neuro-Enhancement handelt es sich um die „falsche Eingriffsebene“
    • Besser z.B. eine psychologische Intervention nutzen (was aber nur bei der Annahme eines Leib-Seele-Dualismus gilt, der aber nicht aufrecht zu erhalten ist, denn Änderungen von Verhalten und Erleben führen zu Hirnveränderungen und umgekehrt)
    • Trotzdem könnte es sein, dass Neuro-Enhancement nicht so nachhaltig wirkt wie z.B. eine Psychotherapie
  • Es könnte ein Nutzungsdruck durch eine Ellenbogengesellschaft entstehen
  • Neuro-Enhancement könnte zu einem Verlust von Selbstdisziplin, Durchhaltevermögen und Anstrengungsbereitschaft führen
  • Neuro-Enhancement könnte zu einem Authentizitätsverlust führen

Rechtliche Probleme von Neuro-Enhancement

In diesem Abschnitt sollen einige rechtliche Problembereiche des Neuro-Enhancements beschrieben werden:

  • Wird Neuro-Enhancement durch das Recht auf Heilbehandlung legitimiert?
    •  nein, weil keine Erkrankung vorhanden ist
  • Kann Neuro-Enhancement eingeschränkt werden, weil es sich dabei um den Umgang mit gefährlichen Stoffen handelt?
    • Es gibt ein Suchtpotential, z.B. bei Methylphenidat, Benzodiazepinen und illegalen Drogen
    • Unklare Auswirkungen von legalen Medikamenten, da diese nicht ausreichend an Gesunden getestet sind
  • Sollten Neuro-Enhancement-Produkte eine Zulassung als Arzneimittel erhalten?
    • Ist bei Enhancement-Produkten nicht möglich, weil keine Krankheit behandelt wird
  • Ist die Vergabe von Neuro-Enhancement-Produkten (z.B. durch einen Arzt) Körperverletzung?
    • Bei „ärztlichen Eingriffen“ muss eine Einwilligung des Patienten vorliegen
    • Zur gültigen Einwilligung muss eine Aufklärung möglich gewesen und durchgeführt worden sein
    • Wenn es ein Missverhältnis zwischen Risiko und Nutzen gibt, dann hilft allerdings auch keine Einwilligung des Patienten um den Tatbestand der Körperverletzung abzuwenden
  • Was könnte unsere Verfassung zum Thema Neuro-Enhancement beitragen?
    • Die Verfassung sieht das Recht auf Freiheitsentfaltung vor
    • Die Verfassung schützt individuelle Beliebigkeit, nicht Ethik! Der Staat ist nicht berechtigt, den Einzelnen zur Tugendhaftigkeit anzuhalten!
    • Die Verfassung garantiert nicht ein quasi „natürliches“ Menschsein
    • Der Schutz des Menschen vor sich selbst als Grund für Beschränkungen ist grundsätzlich illegitim (z.B.: „Cannabis-Urteil“, das besagt, dass Verfahren nach StPO eingestellt werden können, wenn nur geringe Mengen Cannabis zum Eigengebrauch vorhanden sind; Cannabis darf allerdings nicht im Verkehr sein, um Kinder und Jugendliche zu schützen; bei der Bestrafung muss die Verhältnismäßigkeit zur Gefährdung aber gewahrt sein → möglich, dass das bei Neuro-Enhancement ähnlich werden könnte)
    • Die Suchtgefahr ist kein ausreichender Grund zur Beschränkung, wenn die Entscheidung zum Konsum autonom getroffen werden kann (wie z.B. bei Alkohol)
    • Beschränkungen sind nur zum Schutze der Allgemeinheit oder des Einzelnen möglich
      • Beschränkungen zum Schutz der Jugend möglich (z.B. wie bei Cannabis)
      • Beschränkungen zum Schutz von strukturell Benachteiligten möglich (z.B. von Arbeitnehmern, wenn die Firma den Einsatz von Neuro-Enhancement verlangt)
      • Fraglich, ob das auch bei Studierenden gilt, die sich als indirekt gezwungen sehen könnten, Neuro-Enhancement einzusetzen, wenn alle oder viele Kommilitonen dies einsetzen
  • Könnte Neuro-Enhancement wegen der Verursachung erhöhter Gesundheitskosten eingeschränkt werden?
    • Ein gesundheitliches Risikoverhalten wird in der Regel durch den Ausschluss von Leistungen gesteuert, nicht durch Verbote (aber: Gurtpflicht im Auto!)
  • Könnte das Prüfungsrecht den Gebrauch von Neuro-Enhancement einschränken?
    • Das Prüfungsrecht greift zunächst nicht, weil es sich auf Verhalten in, nicht vor Prüfungen bezieht
    • Es könnte aber dann greifen, wenn in der Prüfung normales, also für die Person typisches Verhalten von Relevanz ist. Dann dürften nur Substanzen eingenommen werden, die auch immer und jedem zur Verfügung stehen (z.B. Traubenzucker, Kaffee)
  • Wie sieht es bei Neuro-Enhancement in der Schule aus?
    • Der Jugendschutz rechtfertigt ein Verbot
    • Darüber hinaus hat Schule die Aufgabe, die Reifung der Persönlichkeit herbeizuführen (z.B. also auch Abhängigkeitsprävention zu leisten), was ein Verbot ebenfalls rechtfertigen würde
  • Könnte das Arzneimittelrecht den Gebrauch von Neuro-Enhancement regeln?
    • Keine Zulassung für Neuro-Enhancement möglich, da es sich dabei nicht um Heilmittel handelt
    • Allerdings gilt das Arzneimittelrecht sehr wohl für die Forschung zum Neuro-Enhancement → Forschung zu Neuro-Enhancement ist demnach nur als Grundlagenforschung möglich

Bewertung der Wirksamkeit von Neuro-Enhancement insgesamt

Insgesamt scheint es derzeit kaum wirkungsvolle Präparate zu geben, die unsere Leistungsfähigkeit vor allem bei komplexen Aufgaben deutlich steigern. Auch Substanzen, die die Stimmung verbessern sind bei Gesunden kaum wirkungsvoll – eine Ausnahme sind lediglich illegale Drogen. Diese verursachen aber wiederum deutliche kognitive Einbußen. Ihre Einnahme beinhaltet die Gefahr von Rebound- bzw. Absetzeffekten und es wohnt ihnen eine große Suchtgefahr inne. Insofern handelt es sich bei der Debatte um den Einsatz von (effektivem) Neuro-Enhancement derzeit hauptsächlich um eine „was wäre wenn“-Debatte.

Statt der Einnahme verschiedener Substanzen erscheinen andere Methoden bei der Stärkung der kognitiven Leistungsfähigkeit vielversprechend:

  • Sport, besonders Ausdauersport erwies sich in vielen verschiedenen Studien immer wieder als positiv bezüglich kognitiver Leistungsfähigkeit und Konzentrationsfähigkeit. Außerdem wirkt er stimmungsstabilisierend.
  • Verschiedene Meditationsformen (z.B. Achtsamkeitsübungen) wirken sich ebenfalls positiv auf die kognitive Leistungsfähigkeit und auf die Stimmung aus.
  • Die Vermeidung von Schlafmangel ist ebenfalls ein effektives Mittel bezüglich der Steigerung von kognitiver Leistungsfähigkeit.
  • Wichtig erscheint in diesem Zusammenhang immer wieder darauf hinzuweisen, dass für den erfolgreichen Abschluss eines Studiums eine Menge an Wissen erforderlich ist. Ist aber (auch bei enorm viel Wissen) die psychische Befindlichkeit extrem schlecht, wird eine Prüfung oder ein Studium wohl kaum erfolgreich zu Ende zu bringen sein. Dementsprechend sollten beide Faktoren (Wissen und die psychische Befindlichkeit) in einer Balance sein. Die beiden Faktoren sind multiplikativ verknüpft: wird einer von beiden  „0“, so ist auch der Erfolg in der Prüfung gleich „0“!

Schlussbemerkungen

Der Verfasser des Artikels bittet zu entschuldigen, dass nicht ordnungsgemäß zitiert wurde und möchte sich an dieser Stelle für die Informationen bedanken, die er erhalten hat unter anderem:

  • aus den Patienteninformationen der Hersteller der entsprechenden Substanzen
  • aus Wikipedia
  • aus onmeda
  • aus verschiedenen Ausgaben von „Bild der Wissenschaft“
  • aus dem „Kompendium der Psychiatrischen Pharmakotherapie“, herausgegeben von O. Benkert und H. Hippius
  • aus dem „Deutschen Ärzteblatt“
  • von einem am 29.10.2010 durch den Deutschen Hochschullehrerverband in Bonn abgehaltenem Symposium mit dem Titel: „Neuro-Enhancement – Doping fürs Gehirn: Prüfungsvorbereitung auf Rezept?“. Vorträge unter anderem von:
    • Prof. Klaus Gärditz, Institut für öffentliches Recht der Universität Bonn
    • Prof. Bettina Schöne-Seiffert, Institut für Ethik, Geschichte und Theorie der Medizin der Uni Münster
    • Prof. Josef Pfeilschifter, Dekan des Fachbereichs Medizin der Universität Frankfurt und Leiter des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie des Universitätsklinikums Frankfurt
  • aus der HIS-Studie „Formen der Stresskompensation und Leistungssteigerung bei Studierenden“ von E. Middendorff, J. Poskowsky und W. Isserstedt.
  • Nicht zuletzt von einigen Klientinnen und Klienten, die ihm von ihren persönlichen Erfahrungen mit verschiedenen Substanzen berichteten.