Psychologisch-Therapeutische Beratung für Studierende (ptb) Zum Weiterlesen
Tipps im Umgang mit Belastungen durch aktuelle Krisen

Wie verliert der Schrecken seine Macht (über uns)?

Tipps im Umgang mit Belastungen durch aktuelle Krisen

Jede/r von uns hat im Leben schon belastende Situationen erlebt. Solange es um alltäglichere Dinge geht, die uns stressen, kommen wir in der Regel gut damit zu recht. Kurzfristig ist Stress dabei auch nichts Schlechtes und kann uns sogar Kraft geben, um eine Herausforderung zu bewältigen. Was aber, wenn die Belastungen so groß oder neu sind, dass der Stress nicht aufhört oder die Belastung kaum zu bewältigen erscheint und psychische und körperliche Folgen für uns hat? Dieser Text soll Ihnen eine kleine Hilfestellung geben, wenn Sie von belastenden persönlichen Herausforderungen oder aktuellen politischen Krisen betroffen sind.

Die Herausforderungen durch die Pandemie in den letzten Jahren haben Viele von uns viel Kraft gekostet. Unsere Erschöpfung trifft nun auf eine neue Belastung in Form von Kriegen, Naturkatastrophen oder Gewaltregimen. Viele fühlen sich hilflos, werden ärgerlich, haben Angst oder fühlen sich taub. Diese Gefühle sind erstmal normal und helfen uns mit den Geschehnissen zurecht zu kommen. Im Folgenden möchten wir Ihnen einige Maßnahmen vorstellen, wie Sie in der aktuellen Zeit trotzdem fürsorglich mit sich umgehen können. Einige Maßnahmen werden in der folgenden Broschüre in verschiedenen Sprachen ausführlich und interaktiv vorgestellt: https://www.who.int/publications/i/item/9789240003927

Konsumieren Sie Ihre Nachrichten bewusst

Die Bilder und Nachrichten aus den Krisengebieten sind durch digitale Medien jederzeit abrufbar. Wenn wir solche Bilder sehen, erlebt unser Körper eine Stressreaktion, die sich gedanklich, körperlich oder im Verhalten zeigen kann. Wenn wir dauerhaft damit konfrontiert sind, kommen wir aus dieser Alarmbereitschaft nicht mehr heraus, ermüden schneller oder entwickeln schwerwiegendere Symptome.

Daher sollten Sie sich bewusst Auszeiten setzen, in denen Sie keine Nachrichten hören/sehen. Eventuell ist es für Sie auch angenehmer die Nachrichten gar nicht zu konsumieren, sondern sich von Bezugspersonen die wichtigsten Ereignisse erzählen zu lassen. Wenn Sie merken, dass die Anspannung schon körperlich erlebbar ist, kann es hilfreich sein sich zu bewegen um dem Körper eine Ruhepause zu gönnen oder Sie nutzen eine Atemübung um die Muskeln wieder zu entspannen. Hier finden Sie eine kleine Auswahl an Entspannungstechniken: https://www.tk.de/techniker/magazin/life-balance/aktiv-entspannen/download-anleitung-entspannung-2006922

Finden Sie Auswege aus dem Emotionstsunami

Gerade wenn Sie Nachrichten konsumiert haben, fühlt es sich oft an, als ob die Gefühle uns wie eine Welle überrollen und wir Ihnen hilflos ausgeliefert sind. In dieser Panikreaktion funktioniert der logische Part unseres Gehirns weniger gut als sonst, so dass wir uns schwerer mit rationalen Argumenten beruhigen können. Versuchen Sie sich daher körperlich Sicherheit zu verschaffen, indem Sie Ihre fünf Sinne nutzen. Sie könnten dafür zum Beispiel die 3-2-1 Übung nutzen, in der Sie zuerst drei Dinge benennen, die Sie sehen können, dann drei Dinge, die sie hören können und dann drei Dinge, die Sie Spüren können. Anschließend wiederholen Sie die Reihenfolge mit zwei und dann einer Sache. Dadurch verankern Sie sich wieder im Hier und Jetzt und können anschließend einer ausgleichenden Tätigkeit nachgehen.

Unterstützen Sie sich gegenseitig

Ein gutes soziales Netz stellt in vielen Situationen eine wichtige Ressource dar. Aktuell kann es uns dabei helfen mit unseren Gedanken und Gefühlen nicht alleine zu sein und uns eine Auszeit zu gönnen. Setzen Sie sich bei gemeinsamen Treffen feste Regeln wie viel Sie über die aktuelle Situation reden möchten und wie Sie danach die gemeinsame Zeit verbringen möchten. Erlauben Sie sich, um Hilfe von ihrem Umfeld zu bitten. Oft geht es den anderen Ähnlich und wir können uns gegenseitig unterstützen. Wenn Sie merken, dass ihr Umfeld nicht ausreicht, Sie sich dort nicht ausreichend öffnen können oder möchten oder es gerade auch einfach wenig Menschen gibt, an die Sie sich wenden können, gibt es professionelle Unterstützung im Umgang mit ihrer Belastung. Nutzen Sie dafür die psychosozialen Beratungsstellen in Ihrer Nähe (http://beratungsstellen-hannover.de/arbeitskreis/#c223oder) oder kontaktieren Sie uns in der ptb (https://www.ptb.uni-hannover.de/de/die-ptb/kontakt-und-oeffnungszeiten).

Schaffen Sie sich Momente der Kontrolle

Obwohl die Corona Pandemie auch eine sehr anstrengende Zeit war, fühlen sich Viele von den aktuellen Geschehnissen deutlich betroffener. Während wir in der Pandemie das Gefühl hatten mit dem Einhalten der Hygiene Maßnahmen zum Verlauf beitragen zu können, fühlen wir uns angesichts der Bilder von Kriegsgeschehen oder Naturkatastrophen wie hilflose Zuschauer. Das ist ein schwer zu ertragender Zustand. Daraus kann sich schnell ein Gefühl entwickeln, dass nichts mehr kontrollierbar ist.

In solchen Momenten, kann es erleichternd sein sich zu fragen, wie Sie persönlich dazu beitragen können, dass die Lage der Betroffenen und Ihre eigene besser wird. Schaffen Sie daher immer wieder Erfahrungen, in denen Sie erleben können, dass Sie mit Ihren Handlungen steuern können wie eine Situation ausgeht. Können Sie eine Geld- oder Sachspende leisten? Können Sie übersetzen oder Wohnraum zur Verfügung stellen? Können Sie positive Nachrichten weiterverbreiten? Können Sie die lang ausstehende Hausarbeit beginnen oder ein neues Musikstück erlernen? Manchmal ist das Beste, was wir tun können, uns im Moment zu schützen, damit wir langfristig in der Lage sind unseren Beitrag zu leisten. Egal wie dieser aussieht und wie groß oder klein er für Andere wirken mag.

Nehmen Sie Ihre Bedürfnisse ernst

Haben Sie sich schon dabei ertappt, wie Sie Ihre Probleme abtun wollten, weil es ja gerade „Wichtigeres“ gibt? Eventuell haben Sie das Gefühl Ihre Glücksmomente nicht mehr genießen zu dürfen oder fühlen sich schlecht, wenn Sie die Nachrichten ausschalten? Gerade angesichts der aktuellen Krisen ist es wichtig uns selbst nicht aus dem Blick zu verlieren. Unsere persönlicheren Herausforderungen sind weiterhin belastend und müssen nicht mit anderen verglichen werden. Solche Vergleiche führen häufig nur dazu, dass wir uns noch weiter abwerten und uns schlechter fühlen. Daher erlauben Sie sich Ihren Bedürfnissen nachzukommen, egal ob es um Raum für Ihre Belastungen oder um Fröhlichkeit und Lachen geht. Wenn Sie gerade keine Idee haben, was Ihnen gut tun kann, finden Sie hier (https://www.uni-hamburg.de/campuscenter/beratung/beratungsangebote/psychologische-beratung/ressourcencafe/stress2nr2.pdf) ein Sammlung an Aktivitäten.

Vorsicht mit kurzfristigen Lösungen

In Krisenmomenten wollen wir manchmal einfach nur flüchten und die Augen verschließen. Dafür hat jede*r von uns unterschiedliche Strategien. Für manche ist es ein abendliches Bier, für andere eine Süßigkeit, wieder andere werden zynisch oder ziehen sich zurück. Machen Sie sich bewusst, dass diese Flucht sich zwar kurzfristig gut anfühlen kann, langfristig aber dazu beiträgt, dass die Gefühle dahinter stärker werden. Gehen Sie liebevoll mit sich um, wenn Sie sich bei solchen Helfern ertappen, vielleicht finden Sie dennoch eine konstruktivere Möglichkeit eine Auszeit zu haben.

Sollten Sie jedoch merken, dass sie Ihre Belastung trotz aller Bemühungen nicht abklingt, ist es wichtig das ernst zu nehmen und sich professionelle Unterstützung zu suchen.