WENN DIE KRISE SPUREN HINTERLÄSST

Unwohlsein und Angst während der Corona-Lockerungsmaßnahmen

Im Rahmen der Pandemie haben wir viele altbekannte Dinge im Kleinen aber auch im Großen neu erlebt: Angefangen bei unserem Umgang mit Krankheiten über die Art, wie wir soziale Kontakte gestalten, bis hin zu unserer Alltagsstruktur. Die Rückkehr in den Präsenzbetrieb fordert uns nun heraus auch unser früheres „Normal“ neu zu finden.

Was kann ich tun, wenn ich Angst vor einer Erkrankung habe?

  • Als Erstes dürfen wir akzeptieren, dass es vollkommen angemessen ist, wenn die neuen Freiheiten uns auch verunsichern oder sogar überfordern. Maßnahmen wie Masken, Impfung und Abstand helfen uns, mehr Sicherheit bei der Rückkehr in den Alltag zu erleben. Doch auch das Restrisiko darf uns Sorgen machen. Niemand hat die aktuelle Situation schon einmal erlebt, also weiß auch niemand, wie man damit „richtig“ umgehen sollte. Unter diesem Link finden Sie mehr Informationen zum Thema Risikobewertung: https://psychologische-coronahilfe.de/beitrag/risikowahrnehmung-in-der-corona-krise/
  • Überprüfen Sie, welche alten Risikobewertungen und Bewältigungsversuche noch angemessen sind? Vielleicht haben Sie sich nur bei Spaziergängen mit Ihren Freunden getroffen. Probieren Sie aus, wie es sich anfühlt wieder jemanden zu sich einzuladen. Machen Sie neue Erfahrungen, wie ihr „normal“ aussehen kann. Hier finden Sie ein Onlinetraining, dass einen konstruktiven Umgang mit Sorgen rund um Corona vermittelt: https://getcalm-moveon.de/
  • Wenn Sie Angst empfinden, fragen Sie sich, ob es an der ungewohnten Situation liegt oder ob ein tatsächliches Infektionsrisiko besteht? An manch ungewohnte Situation können Sie sich auch gewöhnen und mit mehr Übung fühlen Sie sich dann auch wieder wohl darin. Erinnern Sie sich daran, wie es Ihnen vor der Pandemie in neuen Situationen ging. Waren Sie eher abenteuerlustig oder eher zurückhaltend? Wahrscheinlich werden Sie jetzt ähnlich reagieren. Manche Gruppen haben weiterhin ein hohes Risiko für einen schweren Krankheitsverlauf. Für diese Menschen ist es weiterhin sinnvoll sehr vorsichtig zu sein. Vielleicht hilft es den Fokus auf positive Nachrichten zu verlegen: https://www.angstselbsthilfe.de/angstfrei-news/
  • Führen Sie sich vor Augen, wofür Sie sich überwinden: Das Wohlbefinden in einer Umarmung, der Abschluss des Studiums, das Lachen mit den Kolleg*innen in der Pause. Fragen Sie sich, welches Bedürfnis für Sie gerade überwiegt: Der Wunsch nach Sicherheit oder ihr anderes Bedürfnis? Wenn es aktuell Sicherheit ist, überprüfen Sie immer wieder neu, ob sich etwas verändert. Vielleicht können Sie dieses Bedürfnis auch bildlich verankern: https://zrm.ch//_%20Online%20Tool.htm
  • Um die Pandemie zu bewältigen ist es entscheidend, dass wir die Ursachen der Erkrankung und mögliche Schutzmaßnahmen kennen und verstehen. Es kann aber passieren, dass wir uns nicht mehr absichern mit Informationen, sondern uns so exzessiv damit beschäftigen, dass es uns eher wieder verunsichert. Beobachten Sie, wieviel Raum die Informationssuche in Ihrem Alltag einnimmt und überprüfen Sie, ob das für Sie angemessen ist. Wenn nicht, versuchen Sie sich feste Zeiten zu setzen oder nur noch bestimmte seriöse Informationsquellen zu nutzen. Hier finden Sie Anhaltspunkte, woran Sie solche Quellen erkennen: https://psychologische-coronahilfe.de/was-tun-wenn-sich-informationen-und-meinungen-die-man-im-internet-findet-widersprechen/

Was kann ich tun, wenn ich Angst vor den Maßnahmen/der Impfung habe?

  • Manche Menschen leiden unter starker Angst vor Spritzen. Die Vorstellung, die Corona-Schutzimpfung zu erhalten, löst dann körperlich, emotional und gedanklich enormen Stress aus. Eine so isolierte Angst kann aber therapeutisch sehr gut und vor allem schnell behandelt werden. Das kann am besten in einer ambulanten Psychotherapie erfolgen. Wir in der ptb können eine erste Anlaufstelle für eine Beratung sein, wie Sie mit diesen Ängsten umgehen können, so dass Sie sich trotzdem impfen lassen können.
  • Manchmal überwältigt uns auch die Menge an Informationen und wir wissen nicht mehr, wem oder worauf wir vertrauen können. Vielleicht haben Sie Angst vor den Nebenwirkungen der Impfung oder vielleicht möglichen Langzeitfolgen? Hier finden Sie ein paar Informationen dazu: https://psychologische-coronahilfe.de/beitrag/corona-impfung-was-tun-bei-angst-vor-nebenwirkungen/ oder sprechen Sie mit einer Ärztin oder einem Arzt über Ihre Sorgen.
  • Holen Sie sich Unterstützung, damit Sie nicht alleine sind mit der neuen Erfahrung. Vielleicht gibt es Menschen in Ihrem Umfeld, die auch noch nicht geimpft sind und sich alleine nicht trauen oder nicht wissen, wo das geht. Organisieren Sie sich als Gruppe einen gemeinsamen Impftermin. So können Sie sich gegenseitig unterstützen und austauschen.

Wir hoffen, Ihnen mit diesen Hinweisen kleine Hilfen an die Hand gegeben zu haben. Sie sind aber auch herzlich eingeladen, bei Bedarf einen Gesprächstermin bei uns zu vereinbaren.

HIER NOCH EINMAL DIE WICHTIGSTEN PUNKTE:

  • Gehen Sie wohlwollend mit ihrer eigenen Unsicherheit um
  • Machen Sie neue Erfahrungen und relativieren alte
  • Begrenzen Sie verunsichernde Quellen
  • Holen Sie sich Hilfe - privat oder professionell