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Grenzverletzungen in Beratungs- und Therapiesituationen

Die folgenden Informationen können Ihnen helfen zu klären, ob die Beratungs- oder Psychotherapiesituation, in der Sie sich befinden (bei uns in der ptb oder in einer anderen Beratung oder Psychotherapie), hilfreich für Sie ist oder Ihnen schadet, was leider in Einzelfällen passieren kann.

Das Ziel einer jeden Beratung und Psychotherapie ist die Linderung oder Heilung von Beschwerden, das Wiedererlangen von Handlungsfähigkeit sowie der Aufbau von Kompetenzen um Belastungssituationen gesund meistern zu können. Um dieses Ziel zu erreichen, ist ein großes Engagement sowohl von Seiten der Beraterin oder des Beraters bzw. der Psychotherapeutin oder des Psychotherapeuten als auch von Seiten der oder des Ratsuchenden notwendig.

Grundvoraussetzung für jede Beratung und Psychotherapie ist eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung. Ist eine solche vertrauensvolle Beziehung aufgebaut, gelingt es Ihnen auch über Probleme zu sprechen, die Sie möglicherweise noch nie thematisiert haben und schon jahrelang mit sich herumtragen. Dies führt zu einer - manchmal auch therapeutisch beabsichtigten - Reduktion von Hemmungen und Schutzmechanismen, die Sie in einer Beziehung zu privat kennengelernten Menschen aufrechterhalten würden. Daraus entwickelt sich eine besondere Abhängigkeit und Verletzbarkeit, die seitens des Therapeuten und der Therapeutin oder des Beraters bzw. der Beraterin nicht missbraucht werden darf.

(Be)nutzt die Beraterin oder der Berater sowie die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeuten diese Beziehung zur Befriedigung eigener (sexueller) Bedürfnisse, so bedeutet dieses Verhalten, dass ein massiver Vertrauensbruch, die emotionale Ausbeutung der Klientin oder des Klienten und ein Machtmissbrauch vorliegen. Anstatt Ihre persönlich erlebte Defizite und bestehende Störungen im Schutz der helfenden Beziehung zu bearbeiten, verursacht der Therapeut oder die Therapeutin bzw. die Beraterin oder der Berater durch sein/ihr unprofessionelles Verhalten erneute psychische Verletzungen. Das persönliche Wachstum und die Bewältigung belastender Erfahrungen werden so verhindert.

Die Verantwortung für grenzverletzendes Verhalten liegt immer in der Hand des Therapeuten bzw. der Therapeutin oder des Beraters bzw. der Beraterin. Das gilt auch dann, wenn die Klientin oder der Klient dem Therapeuten oder der Therapeutin bzw. der Beraterin oder dem Berater eine über die therapeutische Beziehung hinausgehende Zuneigung entgegenbringt oder thematisiert. Professionelle Therapeutinnen und Therapeuten wie auch Beraterinnen und Berater müssen in der Lage sein, solchen "Angeboten" in respektvoller, Grenzen setzender Weise zu begegnen.

Nachfolgend sind einige Hinweise gegeben, die helfen können, sich vorsichtig auf Beratung und Therapie – ob bei einem Mann oder einer Frau – einzulassen.

  • Beharrt die Beraterin oder der Berater bzw. die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut bereits in den ersten Gesprächen auf ihrer/seiner Macht und zeigt sich unzugänglich für Ihre Unsicherheit, müssen Sie auch im Späteren mit derartigem Verhalten rechnen. Verlassen Sie sich deshalb bei der Entscheidung für eine Therapie/Beratung auf Ihre Wahrnehmung und nehmen Sie ihre Gefühle ernst.
  • In jeder Therapie/Beratung gibt es Phasen, in denen Ratsuchende Unsicherheit darüber empfinden, ob sie gut aufgehoben sind, richtig verstanden werden, ehrlich akzeptiert sind und ausreichend unterstützt werden. Für all diese Zweifel gilt: Es muss die Möglichkeit bestehen, sie zu thematisieren.
  • Wenn Sie Zweifel haben, ob Ihnen die Therapie/Beratung gut tut oder Ihre Problematik eher verstärkt, sprechen Sie mit der Beraterin oder dem Berater bzw. der Psychotherapeutin oder dem Psychotherapeuten darüber. Wenn Sie dadurch keine Klärung erreichen und/oder sich schlecht fühlen, sprechen Sie mit einem anderen Menschen, der sich in diesem Bereich auskennt.
  • Grenzen zu überschreiten, gehört zur persönlichen Entwicklung. Es gibt jedoch Grenzen im Umgang miteinander, die – insbesondere in einer therapeutischen Beziehung – unbedingt einzuhalten sind.
  • Sie entscheiden, was das Thema ist und wie weit Sie sich auf ein Thema bzw. Gespräch einlassen können und wollen.
  • Bei sexuellen Handlungen in einer therapeutischen Situation handelt es sich immer um sexuelle, grenzverletzende (und strafrechtlich relevante) Übergriffe – auch wenn sie für therapeutisch erklärt werden.
  • Ihr subjektives Empfinden entscheidet darüber, wo Ihre intimen Grenzen verlaufen, die nicht verletzt werden dürfen. Hierzu können auch verbale Äußerungen gehören. Bestehen Sie darauf, dass die Beraterin oder der Berater bzw. die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut Ihre Definition akzeptiert.
  • Auch nach Beendigung der Therapie/Beratung bedeutet es eine Grenzüberschreitung, wenn die Beraterin oder der Berater bzw. die Psychotherapeutin oder der Psychotherapeut eine intime Beziehung herzustellen versucht.
  • Wenn Sie in einer Therapie/Beratung sexuelle Gewalt oder eine entsprechende Grenzverletzung erfahren, brechen Sie die Behandlung/Begleitung ab. Holen Sie sich baldmöglichst Unterstützung bei einer Person Ihres Vertrauens (privat oder professionell).

Weitere Informationen und Hilfen

Ethikverein
Seit 2004 bietet der Ethikverein bundesweit kostenlos, unabhängig und professionell eine niederschwellige, vertrauliche Beratung für Klientinnen und Klienten, Ausbildungskandidaten, psychotherapeutische Kollegen und ihre Institutionen an. Das Beraterteam aus Ärzten, Psychologischen Psychotherapeuten und Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten aller Verfahren beantwortet Fragen zu Standards in der Psychotherapie und erarbeitet eine Klärung in ethisch und rechtlich schwierigen Behandlungssituationen gemeinsam mit den Anfragenden. Die Beratungsdaten werden anonymisiert, wissenschaftlich und qualitativ ausgewertet.
https://ethikverein.de/

Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.
Bundesgeschäftsstelle
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
infobdp-verband.de

Psychotherapie-Informations-Dienst (PID)
Deutsche Psychologen Akademie GmbH des BDP
Am Köllnischen Park 2, 10179 Berlin
Beratungstelefon: 030 - 209 166 330
Mo + Di 10 - 13 Uhr + 16 - 19 Uhr
Mi + Do 13 - 16 Uhr
Fax 030 - 209 166-316
piddpa-bdp.de
www.psychotherapiesuche.de

Frauenberatung für Betroffene von Gewalt e.V.
Marienstr. 63
30171 Hannover
Tel. +49 511 32 32 33
Sprechzeiten: Mo - Fr 9-10 Uhr

AMANDA e.V.
Roscherstr. 12
30161 Hannover
Tel. +49 511 88 59 70
E-Mail mailamanda-ev.de
Sprechzeiten: Mo 11-13 Uhr, Mi 17-19 Uhr, Do 11-13 Uhr

Notruf e.V. für vergewaltigte Frauen und Mädchen
Goethestraße 23
30169 Hannover
Tel. +49 511 33 21 12
E-Mail infofrauennotruf-hannover.de
Sprechzeiten: Mo 16-20 Uhr, Fr 10-14 Uhr und während der Bürozeiten von 9-16 Uhr - sonst Anrufbeantworter / täglicher Rückruf, auch an Sonn- und Feiertagen

Männerbüro Hannover e.V.
Ilse-ter-Meer-Weg 7
30449 Hannover
Tel.: +49 511 - 123 589 0
E-Mail: infomaennerbuero-hannover.de
http://www.maennerbuero-hannover.de

Literatur

  • Bußmann, Hadumod / Lange, Katrin (1996): Peinlich berührt - Sexuelle Belästigung von Frauen an Hochschulen. München (Frauenoffensive)
  • Heyne, Claudia (1991): Tatort Couch. Sexueller Missbrauch in der Therapie – Ursachen, Fakten, Folgen und Möglichkeiten der Verarbeitung. Zürich (Kreuz Verlag)
  • Moser, Tilmann (1986): Kompaß der Seele. Leitfaden für Psychotherapie-Patienten, Frankfurt am Main (Suhrkamp)